Besteigung Zinalrothorn über Südwestgrat 2011

Besteigung, Klettern am Südwestgrat Zinalrothorn mit Matterhorn

Bilder
der Tour

Bilder Besteigung Zinalrothorn

Wir hatten uns für’s Jahr 2011 vorgenommen die Besteigung  eines 4000er in Angriff zu nehmen. Doch leider machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. An den Wochenenden an denen wir Zeit hatten war der Wetterbericht eher suboptimal. Und ab Mitte September ist die Zeit eigentlich vorbei einen 4000er in Angriff zu nehmen. Doch dann kam das verlängerte Wochenende mit dem 3. Oktober. Ja genau, Oktober! Das Wetter war absolut stabil und fürs Wochenende wurde ideales Berg und Wanderwetter für die Schweizer Alpen vorhergesagt.

Tag 1:
Da Augustin noch in die Schule musste, konnten wir erst um 13:00 Uhr Zuhause losfahren. Nach zähem Verkehr auf der Autobahn waren wir um kurz vor halb sechs in Zinal. Nachdem man ca. 4 Stunden für den Aufstieg braucht und es Anfang Oktober gegen 19:30 Uhr dunkel wird, bereiteten wir uns schon mal auf einen Aufstieg im dunkeln vor. Es galt 1221 Höhenmeter auf die Cabane du Mountet zurückzulegen. Nachdem ich am Vortag mit dem Hüttenwirt telefoniert hatte, wusste ich, dass die Hütte um 22:00 Uhr schließt, also liefen wir recht zügig. Während es Aufsteigs konnten wir schöne Ausblicke auf die umliegenden 4000er geniessen. So langsam machte sich die Vorfreude auf den Aufsteig morgen breit. Nach einem recht lockeren Aufsteig, der zweite Teil mit Stirnlampe sind wir um 21:15 an der Hütte. Wir hatten Glück und bekamen noch eine heiße Suppe, bevor wir uns dann um 22:00 Uhr zu den anderen schlafenden in das Massenlager legten.

Tag 2:
4:45 ging der Wecker runter, 5:00 gab’s Frühstück. Die Nacht war recht unruhig. Einige Schnarcher verhinderten einen ruhigen Schlaf. Dazu kam noch die Nervosität vor der anspruchsvollen Tour. Nach den üblichen Scheiben Brot mit Kaffe ging’s dann um 5:30 los. Kurz vor uns war noch eine weitere Seilschaft, die anderen starteten erst nach uns. Für diese Höhe und die Jahreszeit war es ungewöhnlich warm. Ich schätz mal es hatte so zwischen 6 und 8 Grad. Ich zog nach wenigen Metern meine Jacke aus und lief im Unterziehpullover um nicht unnötig zu schwitzen. Um diese Jahreszeit ist es kurz vor 6 noch stockdunkel. Im Hochsommer wär’s schon lange hell. Die ersten Meter läuft man auf einem gut zu findenden Weg bergan, danach steigt man durch verblocktes Gelände bergauf immer den nächsten Steinmann im Blick.

Auf 3200 Höhenmeter nach 300 Höhenmetern gelangten wir auf den Gletscher. Schnell die Steigeisen an und ans Seil und weiter ging’s. Zum Glück war noch eine Schweizer Seilschaft vor uns, so dass wir eine grobe Orientierung hatten in welche Richtung es weitergeht. Da wir nicht den Normalweg über den Nordostgrat nahmen, mussten wir den Gletscher erstmal eben nach rechts queren. In etwas der Mitte des Gletschers Glacier du Mountet fing es dann an zu dämmern. Da wir am Vorabend ebenfalls bei Dunkelheit auf der Hütte angekommen waren, hatten wir nun zum ersten mal einen genialen Ausblick über die Gletscherwelt und die umliegenden 4000er. Vor allem das Obergabelhorn machte einen sehr imposanten Eindruck. Es kündigte sich ein Traumtag an. Wir querten noch bei leichter Steigung bis auf eine Höhe von etwa 3500 Hm. Nun wurde der Anstieg steiler. Aber auf dem Gletscher war eine schöne Firnauflage, so dass der Aufstieg technisch recht einfach war. Die letzten Höhenmeter in Richtung Ober Rothornjoch arbeitet man sich in einer steilen Couloir nach oben. Noch ein paar Meter im Mixedgelände und wir waren auf dem Joch. Für die 950 Höhenmeter ab der Hütte brauchten wir 3h30min. Nicht gerade schnell, aber eigentlich ganz o.k. Dachte, die nächsten 350Hm sollten da auch kein Problem darstellen. ...aber ich wurde eines besseren belehrt.

Auf dem Grat angekommen packten wir erst mal unser Vesper aus setzen und hin und genossen den grandiosen Rundumblick. Das Matterhorn wird zwar oft verspottet, weil dort an den Fixseilen die ganzen Touristen “hochgezogen” werden, aber der Berg hat schon eine majestätische Ausstrahlung, das muss ich sagen. Hinter uns war noch eine Seilschaft aus La Chaux de Fonds. Die waren etwa 5 min hinter uns gestartet und hatten immer etwa den gleichen Abstand zu uns. Die ersten Meter auf dem Grat legten wir noch seilfrei zurück. Wir mussten aber schon Kletterstücke zurücklegen und holten vor dem ersten größeren Gandarmen (so heißen die Felstürme, von denen einige auf dem Grat zu überklettern sind.)

An der nächsten Steilstufe seilten wir uns an. Wir machten in regelmäßigem Abstand Stand sicherten uns gegenseitig und kletterten überschlagend. Natürlich kamen wir nun deutlich langsamer voran. Die Seilschaft hinter uns überholte uns. Sie gingen am kurzen Seil (Sie hatten wohl ein 30m Seil, welches sie doppelt nahmen) und stopften immer ab und an eine Sicherung in den Fels. Uns war diese Methode zu unsicher, da ein Absturz an vielen Stellen vermutlich tödlich enden würde. Der Grad zog sich ewig und wir verbrauchten sehr viel Zeit. Bis zum Gipfel legten wir mit unserem 50m Seill ca. 20 Seillängen zurück. Die Kletterei an sich ist absolut genial. Super Fels, schöne Kletterpassagen, griffig, absolut genial. Normal oder Bohrhaken gibt es bis zu der Stelle, wo der Normalweg von der Rothornhütte auf den Grat trifft, keine. Aber die Route kann immer wieder gut mit Schlingen, Friends und Keilen abgesichert werden. Danach waren etliche Bohrhaken anzutreffen. Die Binerplatte, welche laut Literatur die Schlüsselstelle sein sollte, ist mit Stahlstiften total verunstaltet. Bei den trockenen Verhältnissen, wie wir sie hatten, war die Platte total easy zu klettern. Bei Eis und Schnee kann das aber etwas schwieriger sein.

Kurz vor dem Gipfel umgeht man die so genannte Kanzel rechts auf einem schuhbreiten Band mit etwa 700 Höhenmeter unter den Sohlen. Technisch nicht schwierig, einfach nur schön. Noch eine Seillänge und wir waren am Gipfel.
Der Grat hatte aber wahnsinnig viel Zeit gekostet. Durch die vielen Seillängen haben wir sehr viel Zeit verbraucht. Am Gipfel war es inzwischen 15:45 Uhr!. Die Seilschaft aus La Chaux de Fonds hatte uns bis zum Gipfel ca. eine Stunde abgenommen.

Nach einer kurzen Rast machten wir uns deshalb recht schnell an den Abstieg. Wir machten uns seilfrei auf den Weg. Aber der recht schmale Grat mit seinen Steilstufen veranlasste uns bald wieder dazu uns ins Seil einzubinden. Mir war das Risiko einfach zu groß. An einem Abseilring seilten wir uns das erste Stück ab und entschieden uns dann dazu wieder klassisch über Stände und Partnersicherung weiterzugehen. Die Uhrzeit drängte zur Eile, aber so waren wir sicher unterwegs. Es folgte auch bald eine Steilstufe über die wir in 2 Etappen gut abseilen konnten. Wir holten wieder auf die Seilschaft vor uns auf. Ihr kurzes Seil bereitete nun Probleme, da sie die jeweils nächste Abseilstelle nicht erreichen konnten. Der Grat zog sich ewig. Die Kletterei war zum Teil wirklich nicht einfach. Immer wieder mussten Platten gequert werden und an man musste sich an kleinen Leisten entlanghangeln.

In dieser Höhe über 4000m benötigt man sowieso etwas mehr Kraft zum Klettern. Zum Teil kommt man ganz schön ins Schnaufen. Das letzte Bild mit dem Sonnenuntergang habe ich um 18:43 Uhr aufgenommen. Wir waren noch deutlich über 4000 Meter. Ab hier war aber seilfreies Gehen möglich. Wir orientierten uns etwas links unter dem Grat und versuchten immer wieder auf Bänder abzusteigen. Mit dieser Taktik holten wir die Seilschaft vor uns am Ende der Kletterpassagen ein. Und es war inzwischen schon so dunkel, dass wir 4 die Stirnlampen anlegten. Die Seilschaft aus La Chaux de Fonds wählte den Weg direkt in der Fallinie nach unten. Da aber das Gelände total brüchig war querten wir nach rechts um die andren nicht mit Steinen zu erschlagen. Wir quälten uns auf unseren Steigeisen ein schräges Schnee- Eisfeld nach unten. Naja, im Nachhinein die falsche Entscheidung. Kostete Viel Kraft. Weiter unten folgten wir den Fußspuren den Gletscher bergab. Mann, ich dache wir kommen schneller voran. Es war stockdunkel, die Getränke waren leer, genauso wie die Kraftreserven. Also Augen zu und durch.

Nach einigen Abschwüngen gelangten wir rechts an ein Geröllfeld. Wir dachten es sei die gleiche Stelle wir auf dem Hinweg am Morgen. Hinterher merkten wir dann, dass wir 200HM zu früh nach rechts querten. Das Ergebnis war, dass wir noch endlose Minuten / Stunden durch eine Steinwüste irrten, bevor wir um 23:30 Uhr ausgepowert vor der Hütte standen. Der Hüttenwirt war am Mittag abgereist, es gab nur noch das Winterlager. ...und glücklicherweise einen großen Topf mit Wasser. Ich glaub ich hab einen Liter auf einmal getrunken.

Tag 3

Um 07:00 Uhr hörte ich wie die beiden Schweizer aus La Chaux de Fonds die Hütte verließen. Wir drehten uns nochmal gemütlich um. Heute lag ja nur noch der Abstieg ins Tal vor uns. Die Hütte war leer, wir 2 waren jetzt weit und breit die einzigen Personen hier oben.  So gegen 09:00 Uhr standen wir so langsam auf. Die Knochen waren noch ganz schön müde vom Vortag. Nach einem gemütlichen ausgiebigen Frühstück ging es an den Abstieg. Für diesen benötigten wir 45 länger als für den Aufstieg. Die Beine wollten irgendwie nicht mehr so richtig. Die 18h am Vortag hatten wir noch nicht wirklich verdaut. Aber die Tour war ein absolut genialer Saisonabschluss.