6. Tag: Imer (I) nach Folgaria (I)

Nicht, daß wir heute die längste Etappe der ganzen Trans-Alp voruns hatten, zusätzlich mußten wir auch noch die 5 Kilometer von Primero nach Imer zum Start fahren. Also sind wir heute 116 Kilometer auf dem Programm. Aber eigentlich fühlte ich mich heute wieder ziemlich fitt. (Topfitt währe übertrieben)

Heute hatte ich übrigens zum ersten Mal Slics aufgezogen. Der Asphalt-Anteil auf dieser Etappe war doch recht groß.

1. Teilabschnitt: Imer (08.00 Uhr) - Gobbera (08.29 Uhr)
Die ersten 360 Höhenmeter gemächlich auf Teer, genau richtig um warm zu werden.

2. Teilabschnitt: Gobbera (08.29 Uhr) - Canal San Bovo (08.35 Uhr)
Oben ab der Paßhöhe in Gobbera gings links in einen Schotterweg / Singletrail. Nach 6 Minuten landeten wir aber bereits wieder auf der Hauptstraße kurz vor Canal San Bovo.

3. Teilabschnitt: Canal San Bovo (08.35 Uhr) - Passo Cinque Croci (10.43 Uhr)
Zuerst auf Teer, später auf einem breiten Schotterweg, mit einer nicht zu starken Steigung zwischen 6 und 7% gings allmählich hinauf in Richtung Passo Cinque Croci. Thomas war die ganze Zeit ziemlich am schnaufen. Bei mir ging es wieder recht locker, so daß mir der Anstieg eigentlich keinerlei Probleme bereitete. Im oberen Bereich fuhr man wieder durch eine traumhafte Landschaft. Oben hatte ich etwas Zeit den Ausblick zu genießen, da ich Thomas auf dem Anstieg verloren hatte.

4. Teilabschnitt: Passo Cinque Croci (10.46 Uhr) - Verpflegungsstelle nach Agnedo (11.23 Uhr)
Über 1600 Höhenmeter in einer Abfahrt. Die obere Hälfte meist auf Schotterwegen, unten überwiegend Asphalt. Nicht allzu schwierig zu fahren. Unten in Agnedo zogen wir sofort unsere Jacken und Hosen aus. Im Gegensatz zum Passo Cinque Croci mit 14°C war es hier unten im Val Sugana auf etwa 400 Hm über dem Meer brütend warm. Nach meiner Auswertung hatte es etwa 27 / 28°C.

5. Teilabschnitt: Kontrolle nach Agnedo (11.28 Uhr) - Einstieg Kaiserjägerweg (12.29 Uhr)
Genau zum richtigen Zeitpunkt, zu Beginn des recht ebenenen Teilstückes durch das Val Sugana erreichten wir die erste Kontrollstelle. Obwohl wir im Prinzip erst einen Anstieg hinter uns hatten, waren bereits 1650 Höhenmeter bewältigt. Bei 3129 Gesammthöhenmetern also schon mehr als die Hälfte. Als ich nun auf dem fast ebenen Teilstück im Val Sugana etwas Gas geben wollte, hatte Thomas etwas Probleme. Ich mußte die 25 Kilometer, die zumeist über kleine Asphaltwege führten, die ganze Zeit vorneweg fahren, damit er sich im Windschatten wieder etwas erholen konnte. Deshalb kostete mich dieser Teilabschnitt fast mehr Kraft als der Anstieg zum Passo Cinque Croci.

6. Teilabschnitt: Einstieg Kaiserjägerweg (12.29 Uhr)- Ende Kaiserjägerweg (13.31 Uhr)
Dieser Abschnitt war uns noch sehr gut aus dem Vorjahr bekannt. Auf einer anfangs recht breiten, und später immer schmäler werdenden Teerstraße mussten auf einer Strecke von knapp 9 Kilometern etwa 800 Höhenmeter zurückgelegt werden. Dies bei einer eigentlich erträglichen Steigung von durchschnittlich 8,7%.

Im Gegensatz zum Vorjahr hatten wir dieses Jahr einen Vorteil. Letztes Jahr brannte die Sonne gnadenlos auf uns herab, dieses Jahr braute sich während des Anstiegs ein Gewitter zusammen, so daß wir bei erträglichen Temperaturen um die 20°C den Anstieg bewältigen konnten. Obwohl es sich bei diesem Berg eher um einen leichten Anstieg handelt, ist man doch ganz schön am kämpfen. Beim Einstieg steckten uns ja auch schon 84,5 Kilometer in den Knochen, und schließlich darf man auch nicht die Kilometer / Höhenmeter der Vortage vergessen.

7. Teilabschnitt: Ende Kaiserjägerweg (13.31 Uhr) - Folgaria (14.59 Uhr)
Oben angekommen wollte ich so schnell wie möglich weiter, weil der Himmel inzwischen Pechschwarz war und es sich nur noch um Minuten handeln konnte, bis das Gewitter loslegte. Thomas war jedoch total am Ende. Mir kam es so vor, als ob wir die letzten 19 Kilometer bis ins Ziel nur noch im Schneckentempo zurücklegten. (Nach meiner Auswertung hatten wir noch einen Schnitt von 15.0 Kilometer pro Stunden, was ja doch noch ein bischen schneller war als Schneckentempo)

Diese letzten 19 Kilometern verliefen wieder auf dem 100 Kilometer Radrundweg von Folgaria. Wie schon im Bericht vom letzten Jahr beschrieben, handelt es sich dabei um einen speziell für Mountain Biker angelegten Rundweg. Dieser ist jedoch nicht einfach zu fahren. Es wechseln sich andauern kurze Anstiege, die kaum fahrbar sind, Im Anschluss folgt eine schwierige Singletrailabfahrt, danach ein 200 Meter langes Teerstück, anschließend wieder ein giftiger Anstieg usw.

Etwa bei Kilometer 100 holte uns dann das Gewitter ein. Das hätte heute wirklich nicht mehr sein müssen. Ich musste mit den Slics auf dem lehmigen Untergrund ziemlich aufpassen, da meine Reaktionen nach über 6 Stunden Fahrt auch nicht mehr die besten waren.

Ich dachte die letzten Höhenmeter zum Passo Sommo schafft Thomas nicht mehr. Ich musste die ganze Zeit auf ihn einreden, damit er nicht einfach neben der Strecke sitzen blieb. Ich dachte wir erreichen nie mehr die Paßhöhe.

Irgendwann haben wir es schließlich doch geschafft. Die letzten 3.5 Kilometer ging's dann im strömenden Regen auf der Hauptstraße hinunter nach Folgaria. Klatsch nass erreichten wir das Ziel. Ich war körperlich nicht total am Ende, da ich mein Partner heute seinen schwarzen Tag hatte. Im Ziel vernichtete ich 7 Paninis, die dort ausgegeben wurden. Nach der Pastaparty war ich aber auch froh, als ich mich im Hotelzimmer ins Bett fallen lassen konnte.

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