4. Tag: St. Vigil (I) nach Moena (I)

1. Teilabschnitt St. Vigil (08.00 Uhr) - Pederuhütte (08.39 Uhr)
Bei kühlen Temperaturen (die Auswertung meines HAC4 sagt 10°C) geht es los in Richtung Pedrü Hütte. Die 11,7 km lange Strecke bis zur Pedrü Hütte wird auf einer Teerstraße zurückgelegt. Obwohl auf diesem Teilabschnitt 350 Höhenmeter zurückgelegt werden müssen, fuhren wir bis ans Ende der Teerstraße mit einem Schnitt von 19 km / h. Ich hatte heute morgen eine Bärenkraft. Die Durchhänger der letzten beiden Tage hatte ich vergessen.

2. Teilabschnitt Pederuhütte (08.39 Uhr) - Limojoch (09.34 Uhr)
Am Ende des Tals, an der Pedruhütte endete die Teerstraße, und wie sich unschwer auf dem Höhenprofil erkennen läßt, ging es ab hier wieder richtig zur Sache. Wir waren nun im Fanes-Nationalpark. Dies war meiner Meinung nach absolut die schönste Gegend auf der ganzen Tour.

Recht zügig und locker, in kanpp 50 Minuten ab der Pedruhütte, hatten wir das Limojoch erreicht. Somit hatten wir die ersten 1000 Höhenmeter des Tages hinter uns. Dies war der ersten von drei Pässen, die heute zu bewältigen waren.

3. Teilabschnitt Limojoch (09.34 Uhr) - Col Locia (09.59 Uhr)
25 unvergessliche Minuten!

Absolut eine Traumstrecke. Zwischen dem Limojoch und dem Col Locia fuhr man in einem Hochtal auf einer Höhe um 2000 Hm über dem Meer in einer Wahnsinnskulisse. Und dies bei absolut blauem Himmel und Sonnenschein. Mir tat es richtig leid, daß man keine Zeit hatte einige Photos zu machen bzw. eine Pause einzulegen um die Landschaft zu geniesen.

4. Teilabschnitt Col Locia (09.59 Uhr) - St. Kassian (10.24 Uhr)
Das Dahingleiten über traumhaft schöne Almwiesen fand jedoch am Col Locia ein jähes Ende. Anfangs unfahrbar, später nur für sehr wenig fahrbar ging es auf einem Singletrail wieder bergab in Richtung St. Kassian. Ich habe versucht den unteren Teil komplett zu fahren. Ich denke, wenn man alleine auf der Strecke unterwegs ist, ist dies ohneweiteres möglich. Da ich mich aber in einem Pulk von schiebenden Fahrern bewegte, war es nicht so einfach fahrend nach unten zu kommen. Schiebend wäre es zwar einfacher und genauso schnell gewesen, mein Stolz ließ es jedoch nicht zu so ein grobschottrigen Singletrail schiebend zu bewähltigen.

Auf diesen 2 Kilometern zeigte sich, daß Carbon wohl doch nicht das ideale Material für so extremes Gelände ist. Ein Fahrer mit einem Canondale Super Raven hatte den Sattel samt abgebrochener Sitzstrebe in der Hand, ein paar Hundert Meter weiter stand ein Biker mit so einem blau weißen Hardtail aus Carbon von Trek, bei dem das Unterrohr komplett gebrochen war.

Soweit ich mitbekommen habe ist er mit diesem Bike aber noch bis ins Ziel nach Riva gefahren. Das Unterrohr wurde von allen Seiten mit Holz geschient und mit Tape umwickelt. Mir währe das offen gesagt auf den schnellen Downhill-Passagen zu unsicher gewesen. Im Wiegetritt war die Steifigkeit des Rahmens wohl auch nicht mehr so toll.

Nach dem Singletrail gings ab einer Wirtschaft mit dem Namen Capanna alpina wieder gemächlicher auf einer Teerstraße weiter in Richtung St. Kassian. Dort war genau an der richtigen Stelle auch eine Kontroll / Verpflegungsstelle. Meine beiden 3/4-Liter Trinkflaschen waren nämlich so gut wie leer.

5. Teilabschnitt St. Kassian (10.30 Uhr) - Pralongia Hütte (11.26 Uhr)
Der zweite Berg sollte laut Roadbook keine allzu großen Schwierigkeiten bereiten. 572 Höhenmeter auf 6.5 km bei einer Steigung von durchschnittlich 10%, eigentlich kein Problem. Doch Theorie und Praxis unterscheiden sich da doch des öfteren. In Kehren ging es die Skipiste hinauf in Richtung Pralongia Hütte. Da dieser Streckenabschnitt fast komplett im freien Gelände verlief, hatte die Sonne leichtes Spiel und brannte gnadenlos auf uns herab. Ich hatte immer das Gipfelrestaurant im Augenwinkel. Mein Kopf sagte mir die ganze Zeit, ich soll doch absteigen und schieben. Ich konnte aber an diesem Berg den inneren Schweinehund ganz gut überwinden und fuhr dann doch recht zügig zum Gipfel. Der Berg kostete aber Kraft!

Oben an der Pralongia Hütte konnte man einen herrlichen Rundumblick genießen. Unten im Tal lag St. Kassian Corvara (da gings letztes Jahr durch), der Passo Incisa und etwas weiter enfernt, ging der Blick in Richtung Passo Pordoi, der heute die dritte Hürde auf unserer Tagesetappe sein sollte.

6. Teilabschnitt Pralongia Hütte (11.26 Uhr) - Hauptstraße 2km vor Arabba (11.38 Uhr)
Wieder ein Super Downhill auf einem breiten Schotterweg, vorbei am Passo Incisa. 12 Minuten später waren wir 607 Höhenmeter tiefer auf der Hauptstraße in Richtung Pordoi Paß

7. Teilabschnitt Hauptstraße 2km vor Arabba (11.38 Uhr) - Passo Pordoi (12.49 Uhr)
Wir mußten auf der breiten Hauptstraße erst mal wieder unseren Tritt finden. Jochen Behle und Siegrid Wille überholten uns grinsend und sagten, es nützt nichts wenn man nur bergab schnell ist. (Wir hatten sie in der letzten Abfahrt ziemlich stehen lassen) Dies verbesserte meine Motivation nicht gerade. Normalerweise würde ich nicht freiwillig mit dem Moutain-Bike auf einer breiten Teerstraße in Richtung Paßhöhe kurbeln. Heute war ich aber froh, nach doch schon über 1600 Höhenmeter erst einmal etwas gemütlicher voran zu kommen. Auf den nächsten 9 Kilometern standen uns noch 706 Höhenmeter bei einer durchschnittlichen Steigung von knapp 7% bis zur Paßhöhe des Pordio Passes bevor. Wie im Jahr zuvor war wieder in Arabba eine Kontroll / Verpflegungsstation, bei der wir uns noch einmal stärken konnten. Die Paßhöhe erreichten wir eigentlich noch recht fitt. Bis auf ein 3 Km langes Teilstück konnten wir auch den kompletten Anstieg auf der geteerten Paßstraße zurücklegen. Mich störten lediglich die vielen Autos und Busse. Mir wurde auf einmal ganz deutlich wie schön es doch ist mit dem Mountain-Bike durch den Wald heizen zu können, und sich nicht mit dem Rennrad über volle Straßen schinden zu müssen.

8. Teilabschnitt Passo Pordoi (12.51 Uhr) -Canazei (13.08 Uhr)
Wieder 750 Höhenmeter in 17 Minuten vernichtet. Diesesmal aber größtenteils unspektakulär auf der breiten Paßstraße.

9. Teilabschnitt Canazei (13.10 Uhr) - Moena (13.58 Uhr)
Nun folgten noch 20 Km das Tal entlang nach Moena. Ehrlich gesagt bin ich dieses Teilstück fast nur noch wie in Trance gefahren. Der Tag hatte mir doch ziemlich zugesetzt. Dazu noch ziemlich kräftiger Gegenwind der uns entgegenblies. Doch dann lag Moena direkt schräg unter uns. Wir dachten, nur noch ins Ziel rollen zu müssen. Doch in dem kleinen Vorort ging es nicht der Straße entlang in Richtung Moena sondern links den Berg hoch. Ich dachte zuerst an einen schlechten Scherz. Doch es war keiner. Es waren zwar nur noch 70 zusätzliche Höhenmeter, auf die ich aber gut verzichten hätte können. Denn mitten im Anstieg bog die Strecke rechts in einen Wiesenweg ab, und die mühsam erkämpften Höhenmeter wurden wieder vernichtet. Zum Glück gings danach nur noch bergab ins Ziel nach Moena.

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