Bike Transalp Challenge 1998 Etappe 8

Tageszusammenfassung

Streckenlänge

44,2 Kilometer

Höhenmeter

1347 Höhenmeter

Siegerzeit

1h 54min 12sec

Unsere Zeit

2h 41min 15sec = Siegerzeit + 41%

Tagesplatzierung

74

Gesamtrang

65 = 1 Platz verbessert

 

Was uns heute morgen aufbaute war, daß die letzte Etappe vor uns lag. Heute war der Start im Gegensatz zu allen anderen Etappen erst um 10.00 Uhr. In Mittenwald hatten wir uns schon gefreut, daß wir am letzten Etappentag ausschlafen können. Die Realität sah jedoch anders aus. Durch die körperliche Anstrengung in den letzten Tagen waren unsere Körper recht stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Wer sich etwas mit Sportmedizin auskennt weiß, daß durch ein Übertrainig die Harnstoffwerte im Blut stark ansteigen und das ein wesentliches Symptom dafür Schlaflosigkeit ist. Für mich war das in den letzten Tagen eines der schwerwiegendsten Probleme. Man ist am Abend fix und fertig, in der Nacht kann man jedoch trotzdem nicht schlafen und ist am Morgen ziemlich gerädert.

Also saßen wir schon vor 8.00 Uhr beim Frühstück und warteten auf den Start der letzten Etappe. Da wir am anderen Ende der Stadt waren schickten wir unsere Taschen zusammen mit den Taschen von 3 weiteren Teams mit dem Taxi zum Start. Wir strampelten ziemlich gequält in Richtung Start. Die Temperaturen lagen nur unwesentlich unter den Vortageswerten.

Thomas war heute morgen ziemlich brummelig, er war noch sauer, daß er gestern gestürzt ist und seine Schulter tat ihm auch etwas weh.

Nach dem Start gings quer durch Rovereto und anschließend auf der Hauptstraße über die Etsch. Nun begann auf einer schmalen Teerstraße der letzte Anstieg Richtung Passo Bordala. Im Normalfall würde der Anstieg keine großen Schwierigkeiten bedeuten. Mich machte jedoch die erste Hälfte ziemlich fertig. Durch den späteren Start stand die Sonne schon ziemlich hoch. Der Teer strahlte eine extreme Hitze ab und die Felswende bzw. Steinmauern am Straßenrand taten ihr übriges dazu. Ich glaube ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so geschwitzt wie an diesem Anstieg. Weiter oben so etwa über 900 HM wurde es langsam etwas erträglicher. Die Strecke führte hier auch größtenteils durch den Wald. Obwohl die Strecke noch auf Teer verlief mußten wir einige Stücke schieben, da die Straße so extrem steil war (kam uns zumindest nach 8 Tagen und 15000 HM so vor!). So langsam bekam ich doch ein erhebendes Gefühl, da nach der nicht mehr allzuweit vor uns liegenden Paßhöhe nur noch eine Abfahrt und ein Flachstück bis in Ziel vor uns lag.

Die Gedanken gingen zurück an den Start in Mittenwald, wo wir überhaupt nicht wußten was auf uns zukommt, die glitschige Abfahrt vom Plumsjoch runter, der wunderschöne Anstieg zum Geiseljoch, das harte Stück aufs Pfitscherjoch, die super Passagen in den Dolomiten mit dem Ritjoch, dem Passo Incisa, der Kampf mit dem inneren Schweinehund auf den letzten 30 Kilometern nach Folgaria, die Downhill-Rinne hinunter vom Passo Coe, die Mengen an fluchenden und schimpfenden Bikern auf den Singeltrails vor Rovereto ....

Plötzlich taucht vor uns eine Verpflegungsstation auf. Die war auch dringend nötig, da ich auf den ersten 15 Kilometern in der Hitze bereits meine zwei Flaschen mit 1.5 Litern Xenofit getrunken hatte.

An der Verpflegungsstation machten wir nur kurz Halt, bis die Flaschen voll waren, da uns gesagt wurde, daß noch ein Anstieg mit etwa 20 Höhenmetern folgt und es anschließend nur noch bergab geht. Dies hat uns nochmals voll motiviert. Wir sind den letzten Berg fast hinaufgeflogen.

Anschließend folgte eine sehr schöne Abfahrt bis Bolognano. Die Abfahrt war zwar schön zu fahren jedoch erforderte sie volle Konzentration, da sie übersät war mit spitzen Schottersteinen. Wir haben wieder viele überholt, die am Reifenflicken waren. Hätte mich ziemlich gefrustet, wenn ich so kurz vor dem Ziel nochmals einen Platten flicken müßte. Die Aussicht während der Abfahrt auf den Gardasee war gigantisch schön, nicht nur wegen dem Ausblick sondern weil wir unser Ziel bereits sehen konnten.

Unten waren wir mit 3 oder 4 weiteren Teams zusammen und es ging eine richtige Hetzjagd los. Ein Team mußte kurzzeitig pausieren, da er dem Fahrer eines Autos den Stinkefinger zeigte da er sich aufregte, daß wir auf der Hautstraße in Richtung Arco in Zweier- und Dreierreihen fuhren. An der nächsten Kreuzung hielt das Fahrzeug und ein Polizist stieg aus und hat den Übeltäter angehalten. So kann man auch die anderen Teams hinter sich lassen.

Ich vermute wir waren auch gar nicht mehr auf der Transalp Route, da nirgends mehr Pfeile zu sehen waren. Ich wußte jedoch, daß wir bei Arco den Fluß überqueren mußten und da ich schon des öfteren am Gardasee mit dem Bike unterwegs war hatte ich keine Probleme die wieder auf die Transalp-Route zurückzufinden. Nach Arco gings nicht direkt auf der Hauptstraße nach Riva sondern wir machten noch einige Schlenker durch einige schöne Nebenorte. Wer nicht der Strecke folgte hatte Pech, da in Ceole etwa 5 Kilometer vor dem Ziel nochmals eine Kontrollstation versteckt war. Getrunken oder gegessen haben wir natürlich nichts mehr, da das Ziel so nahe vor uns lag. Die Strecke von Arco nach Riva haben wir mit einer Geschwindigkeit etwa 40 km/h zurückgelegt. Wir wechselten uns mit einigen anderen Team immer ab, so daß immer abwechseln Führungsarbeit geleistet wurde. Eigentlich verrückt, wenn man überlegt, was unsere Körper in der letzten Woche geleistet haben.

In Riva war mal wieder der übliche Nachmittagsstau. Wir ließen uns natürlich nicht davon beeindrucken. Zum Teil wurde auf dem linken, zum Teil auf dem rechten Gehweg gefahren. Einige schlängelten sich auch durch die wartenden Autos. Es ging links und rechts bzw. quer über den Kreisverkehr und dann in Richtung altem Festivalgelände. Dort war das Ziel.

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