Bike Transalp Challenge 1998 Etappe 7

Tageszusammenfassung

Streckenlänge

60,3 Kilometer

Höhenmeter

2054 Höhenmeter

Siegerzeit

3h 31min 12sec

Unsere Zeit

5h 27min 44sec = Siegerzeit + 55%

Tagesplatzierung

75

Gesamtrang

66 = nicht verbessert / verschlechtert

 

Komischerweise fühlten wir uns am Morgen wider recht fit. Anscheinend hatten wir die Etappe am Vortag doch noch einigermaßen weggesteckt. Auf der heutigen Etappe war der Hammerdownhill vom Passo Coe hinunter eingebaut. Damit wir nicht in einem Schiebepulk den Berg bewältigen müsse fuhren wir die ersten 10 Kilometer weit über unsere Verhältnisse um möglichst wenig Fahrer vor uns zu haben. Doch leider bekam ich nach einigen hundert Meter zu Beginn des Downhills einen Blattfuß. Dies war die erste und einzige Panne in diesen 8 Tagen. Bis ich jedoch den Reifen gewechselt hatte war unser ganzer Vorsprung dahin und wir mußten den Downhill hoch schiebend im Pulk bewältigen -Scheiße-. Unten angekommen nach 30 Minuten Downhillschieben mußte ich jedoch feststellen, daß ich diesen Downhill nie hätte fahren können. Und ich bin sonst kein Kind der Traurigkeit, was Downhills betrifft. Adrenalia-Downhill vom Rifugio Pernici nach Riva oder Downhillstrecke in Todtnau (bis auf ein 3 Meter langes Stück ) kein Problem. Unten waren auch alle ziemlich am fluchen. Das Problem liegt auch darin, daß wir schon 7 Tage unterwegs waren und etwas übertrieben gesagt, die meisten froh waren sich überhaupt auf dem Rad halten zu können.Nichtsdestotrotz erreichten wir doch die Hauptstraße im Tal um die Tour fortzusetzen.

Von Zoreri gings der Straße entlang über Piazza nach Geroli. Ab hier hatte ich wieder mit dem gleichen Problem wie an einigen Vortagen zu kämpfen, der drückenden Hitze. Ab Geroli gings auf einem breiten Schotterweg in Richtung Passubio-Massiv. Thomas hatte auf den ersten paar Kilometern gleich einen beträchtlichen Vorsprung herausgefahren. Ich quälte mich eigentlich nur noch den Berg hinauf. Zum Teil mußte ich auch schieben, ich war mal wieder fix und fertig. Der Vortag und die sehr schnelle Fahrt auf den ersten 10 Kilometern heute hatte doch seine Spuren hinterlassen. Zum Glück wurde es weiter oben am Berg schattiger und kühler. Das zweite Hälfte kam ich wieder einigermaßen vorwärts, dafür liefs bei Thomas nicht mehr so gut. Im Prinzip kämpften wir uns aber beide wie in Trance nur noch zum Gipfel vorbei an der Malga Bisorte und der Malga Campobiso. Es handelt sich dabei um ein sehr schönes Gebiet unterhalb des Passubio-Massives. Ich denke von den Teilnehmern konnte jedoch fast niemand dieses Super-Gebiet richtig registrieren. Im Prinzip kämpfte man sich nur noch in Richtung Ziel.

Es folgte ein traumhafter Downhil von über 1900 Meter Höhe hinunter nach Rovereto auf 172 Meter über dem Meer. Im Urlaub auf einer Tagestour hätte ich diese Abfahrt voll genossen. Die ersten 900 Höhenmeter davon wurden auf einem breiten Schotterweg vernichtet. Dieser war jedoch extrem Grobschottrig so daß man auf jedem Meter extrem aufpassen mußte wo man hinfuhr. Kräftemäßig hatte ich eigentlich keine Probleme, doch hatte ich enorme Schwierigkeiten mich auf die Strecke zu konzentrieren. Mein Kopf wollte einfach nicht mehr. Irgendwie und vorbei an etlichen Teams die mit Reifenflicken beschäftigt waren, erreichten wir den zweiten Teil der Abfahrt. Dieser bestand hauptsächlich aus Singeltrails, die Anfangs gar nicht als solche zu erkennen waren. Nur die dick auf dem Teer aufgemalten Pfeile wiesen darauf hin, das man direkt ins Gebüsch fahren mußte. Nach einigen Metern durchs Unterholz zeichnete sich dann ein nicht mehr als handbreiter Singeltrail ab. Hier wurde ich auf einmal wieder fitter, vielleicht auch, weil der Untergrund eher wie im Schwarzwald war, ein griffiger Waldboden. Der Trail hatte es jedoch voll in sich. Ich überholte massenweise Teams, die fluchend Ihr Bike den Berg hinunter schoben. Ich denke ich war einiger der wenigen, der diese Passage in vollen Zügen genoß. Ein Stück weiter unten bemerkte ich, daß mein Team-Partner nicht mehr zu sehen war. Ich wartete und mußte alle überholten Teams wieder passieren lassen. Nach etwa 5 Minuten kam er schiebend mit schmerzverzerrtem Gesicht an und aus seinen Flüchen konnte ich entnehmen, daß er wohl zweimal gestürzt war und sich die Schulter verletzt hatte.

Den Rest der Abfahrt konnte ich abschrieben. Thomas kam nur noch im Schneckentempo vorwärts und stammelte nur noch solche Sätze wie "Ich gebe den Transalp auf", "Scheiß Route", "Ich habe keine Lust mehr" usw.

Unten im Tal, wieder auf einer Teerstraße gelandet dachten wir, daß es jetzt nur noch bergab ins Ziel geht. Diese Vermutung war jedoch wieder einmal falsch, hätten wir das Roadbook genauer studiert, hätten wir es jedoch wissen müssen. Es machte uns aber etwas sprachlos, daß die Route auf einmal von der Straße weg fast senkrecht auf einem etwa 30cm schmalen Singeltrail den Berg hinauf führte. Währen wir der Straße gefolgt so hätten wir auf dem direkten Weg Roverto erreicht. Nach einem weiteren giftigen Zwischenanstieg und einem nochmals kniffligen Downhill erreichten wir aber doch noch Roverto. Ich glaube ich habe noch nie so viele fluchende Biker gehört wie auf dieser Abfahrt. Man merkte daß jeder fix und fertig war.

In Rovereto war eine Bullenhitze, so glaube es hatte etwa 34°C im Schatten. Das Ziel war im Sportstadion in Rovereto. Glücklicherweise waren alle Speisen und Getränke im Sportplatzrestaurant für die Biker umsonst. Das war jedoch die einzig positive Erinnerung an Rovereto.

Wir ließen uns einen Stadtplan geben und suchten das von uns gebuchte Hotel Flora. Nachdem wir es am anderen Ende der wirklich nicht sehenswürdigen Stadt gefunden hatten standen wir jedoch vor dem nächsten Problem. Unser Zimmer war noch nicht fertig. Es war etwa 14.30 Uhr, die Zimmer sollten gegen 18.00 bereit sein. Wir diskutierten etwas hilflos mit der Tussi hinter der Theke, der aber anscheinend alles ziemlich egal war. Nach etwa 30 Minuten setzte ich mich auf mein Bike und klapperte einige Hotels ab. Leider war nirgendwo ein Zimmer zu bekommen. Frustriert kam ich zurück und ich setze mich mit Thomas vor das angrenzende Bistro wo wir in unseren verschwitzten Radklamotten einige Radler in uns hineinschütteten. Unsere teueren Räder konnten wir heute auch zum ersten Mal nirgendwo unterstellen. Der einzige Platz war an der Hauswand in dem vergammelten nicht verschlossenen Hinterhof. Zum Glück waren sie am nächsten Morgen noch da. Auch bei der Pastaparty paßte heute nichts. Zu wenig Töpfe um Nudeln zu kochen, lange Schlangen usw. Ich hätte nichts dagegen, diesen Etappenort 99 zu streichen. Ansonsten sind alle Orte Ferienorte die sich echt um die Biker bemüht haben. (Außer vielleicht noch Cavalese) Roverto ist jedoch für mich nur ein öder Ort an einer stinkenden Autobahn.

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