Bike Transalp Challenge 1998 Etappe 6

Tageszusammenfassung

Streckenlänge

101,2 Kilometer

Höhenmeter

3314 Höhenmeter

Siegerzeit

4h 53min 10sec

Unsere Zeit

6h 53min 10sec = Siegerzeit + 41%

Tagesplatzierung

65

Gesamtrang

66 = nicht verbessert / verschlechtert

 

Heute stand die Königsetappe der Tour auf dem Programm, 101 km und 3314 Höhenmeter.

Kurz vor dem Start merkte ich, daß ich eine Hülse an einem Kettenglied verloren hatte. Also ließ ich mir an einem Servicestand 15 Minuten vor Start noch eine neue Kette montieren. Der Servicemensch wollte mir noch ein neues Ritzelpaket verkaufen. Ich lehnte dankend ab, da ich extra für die Tour ein 12-32er Ritzelpaket aufgezogen hatte. An den Anstiegen gab es dann glücklicherweise keine Probleme mit dem Ritzelpaket, jedoch mit dem kleinen Kettenblatt vorne. Dies fraß permanent die Kette, so daß ich alle Anstiege an diesem Tag nur auf dem mittleren Kettenblatt fahren konnte.

Die Abfahrt nach dem Start war nur kurz, es folgten die ersten 1200 Höhenmeter auf den Mangenpaß. Der Anstieg verläuft auf einer schmalen Teerstraße, die eigentlich sehr schön zu fahren ist. Autoverkehr war auf dieser Strecke fast gar keiner, daß einzige was auf der Straße zu beachten war, waren einige herumstehende Kühe sowie Kuhfladen. Die ersten zwei Drittel des Anstieges waren noch komplett im Schatten und es war auch noch recht kühl. Dadurch lief es sehr gut. Leider war am Gipfel keine Verpflegungsstation, so daß unsere Flüssigkeitsreserven rapide abnahmen.

Nach der Paßhöhe folgte ein Wahnsinnsdownhill hinunter ins Val Sugana. Bei der Abfahrt wurden 1600 Höhenmeter vernichtet. Wahnsinn! Hier hatte ich die einzige gefährliche Situation während der Tour. In einer langgezogenen Linkskurve wollte ich 2 Biker innen überholen. Der eine hat mich jedoch nicht gesehen und schnitt nach innen. Wir haben uns dann etwa bei Tempo 75 bis 80 mit den Lenkern kurz verhakt. Zum Glück ist nichts passiert.

Unten im Val Sugana angekommen blieb uns fast die Luft weg. Es war eine irrsinnige Hitze. Durch den ersten Ort Borge ging es direkt durch die Innenstadt. Da wir aber gerade in einer Gruppe im Windschatten fuhren hatten wir aber keine Zeit zum Anhalten um etwas einzukaufen. Dies war ein Fehler, da die nächste Verpflegungsstation erst oben am Kaiserjägerweg war. Ich dachte mir, daß in den nächsten Orten bestimmt ein Laden am Weg ist um etwas Obst und Getränke einzukaufen. Leider war dies nicht so. Glücklicherweise war zu Beginn des Anstieges zum Kaiserjägerweg noch eine Wirtschaft. Dort futterte ich zwei Weißbrotbaquette und deckte mich mit Getränken ein. Wäre diese Wirtschaft nicht mehr gekommen hätte ich auf den nächsten Kilometer ganzschön alt ausgesehen.

Zu der Hitze gings nun auch noch auf einer Teerstraße zwischen Felswenden in Kehren den Berg hinauf. An diesem Anstieg waren nochmals knapp 900 Höhenmeter zu bewältigen. Bei uns lief es eigentlich sehr gut, am Anstieg haben wir etwa 10 Teams überholt. Zum Glück war ich echt gut drauf, sonst hätte ich die Berge nicht auf dem mittleren Kettenblatt hochgedrückt.

Oben am Ende der Teerstraße war nach 70 Kilometer endlich die erste Verpflegungs / Kontrollstation. Alleine an diesem Anstieg habe ich über 1 Liter Flüssigkeit zu mir genommen. An der Verpflegungsstation haben wir dann das einzige Mal das Team KTM "Dörschlag / Hohenwarter" im gelben Führungstrikot getroffen. Leider nur, weil diese sich verfahren hatten und etwa 30 Kilometer extra gefahren sind.

Laut Roadbook machte der Rest der Etappe keinen allzu schwierigen Eindruck mehr. Also waren wir guter Dinge. Dies täuschte jedoch gewaltig. Ab der Verpflegungsstation ging die Strecke auf eine extra für Mountain-Biker angelegten 100km-Bike-Route. Diese folgte keinen normalen Waldwegen sondern ging kreuz und quer durchs Gelände. Es wechselten sich knifflige Downhills ab mit fast senkrecht nach oben führenden Schiebepassagen ab. Normalerweise währe so eine Strecke eine Freude für mich. Heute forderte sie jedoch unsere letzten Kräfte. Auf diesen letzten 30 Kilometer waren nochmals gut 1200 Höhenmeter eingebaut. Zum Glück war hier oben wieder ein angenehmeres Klima, nicht mehr so heiß wie im Tal. Am Fort Cherle war nochmals eine Kontrollstation. Da wir schon über 90 Kilometer zurückgelegt hatten und uns 200 Höhenmeter über dem Ziel befanden dachten wir, daß es nur noch bergab ins Ziel geht und haben die Verpflegungsstation links liegen lassen. Das war ein Fehler. Die restlichen 10 Kilometer raubten unsere letzte Kraft. Immer wieder dachten wir kurz vor dem Ziel zu sein und es folgte immer wieder ein Gegenanstieg. Die letzte Abfahrt ins Ziel nach Folgaria war ein harmloser Waldweg mit Schotter. Ich mußte direkt langsam machen, da die Strecke vor meinen Augen verschwamm. Ich war echt fix und fertig.

Im Ziel waren heute nicht mehr so viele fröhliche Biker wie an den Tagen zuvor zu sehen. Viele konnten sich kaum noch bewegen. Auch hatte die Anzahl der Biker zugenommen, die irgendwo am Körper Schürfwunden hatten. Die Etappe hatte also nicht nur an unseren Kräften gezehrt!

Der Zielort Folgaria ist ein Ort, der sich über etwa 3 Kilometer am Hang entlang zieht. Unglücklicherweise war unsere Pension genau das letzte Haus am anderen Ende des Ortes. Auch das noch!

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