Bike Transalp Challenge 1998 Etappe 4

Tageszusammenfassung

Streckenlänge

67,9 Kilometer

Höhenmeter

2696 Höhenmeter

Siegerzeit

3h 38min 31sec

Unsere Zeit

5h 38min 41sec = Siegerzeit + 55%

Tagesplatzierung

75

Gesamtrang

69 = 3 Plätze verbessert

 

Heute nacht hatte ich ziemlich gut geschlafen, entgegen meinen Vorahnungen am Vortag fühlte ich mich ziemlich gut. Das lag vielleicht auch daran, daß es morgens am Start recht kühl und erfrischend war. Gleich nach dem Start begann ein Schotterweg, der sich in Kehren unterhalb des Skilifts bis zur Bergstation hochschlängelte. Heute war ich wieder Top-Fit. Mir kommen auch Waldwege und Singletrails mehr entgegen als immer gleichmäßig ansteigende Teerstraßen. Im kuppierten Gelände fühle ich mich richtig wohl. Der erste Paß des Tages war das 1850m hohe Rittjoch. Oben mußte ich erst einmal 10 Minuten auf Thomas warten, er machte heute gar keinen guten Eindruck. So ändern sich die Dinge! Die Strecke führte heute durch eine sehr schöne Gegend. Nach einer kurzen Abfahrt folgte der zweite Anstieg zu den Armentara-Wiesen. Nach einem Abstecher durch die Orte St. Leonhard und Corvara folgte ein weiterer Anstieg zum Passo Incisa. Der Anstieg war zwar nicht allzu lange, aber es waren einige heftige Stiche darunter, die unsere Kräfte wieder schwinden lies. Der Passo Incisa ist über einen Schotterweg zu erreichen, das Bild auf den Anmeldeunterlagen für den Transalp 99 ist vom Gipfel des Passes aus aufgenommen. Oben am Gipfel war noch hinterlistig eine versteckte Kontrollstation postiert. Leider gab es hier keine Verpflegung

Aus meiner Sicht heraus hat sich gezeigt, daß man 1.5 Liter Trinken am Start dabeihaben sollte, da die erste Verpflegungsstation oft ein ganzes Stück entfernt ist. Auch ist es unerläßlich Essen mitzunehmen. Ich hatte meistens Bananen und Powerbars dabei. Zum Ende der Tour jedoch mehr Trockenkuchen und Kekse, da ich die Powerbars nach einer Woche nicht mehr riechen konnte.

Nach dem Passo Incisa folgte ein schöner Downhill. Kurz Unterhalb von Arabba trafen wir auf die Hauptstraße in Richtung Pordoi Paß. Ab hier ging es die Paßstraße stetig bergan. Die Paßstraße ist nicht allzu steil und ich kurbelte noch ganz locker Richtung Paßhöhe. Ich kam wieder etwas besser voran als mein Teamkollege. Er wollte mich die ganze Zeit bremsen.

Nach der Paßhöhe folgte noch eine Abfahrt bis ins Ziel. Im ersten Drittel der Abfahrt gings über einen Singeltrek, weiter unten gings die Paßstraße hinunter. Uns ist auf der Transalp Tour zum Glück nichts passiert. Im Nachhinein betrachtet muß ich jedoch sagen, daß die gefährlichsten Situationen meist auf viel befahrenen Teerstraßen stattfanden. Den Pordoi-Paß hinunter war auch eine riesen Kämpferei um bessere Plazierungen. Dabei wurden ganze Schlangen von Autos und Bussen überholt, zum Teil in Zweier- und Dreierreihen . Eine Gruppe Rennradfahrer fing ziemlich an zu schimpfen, weil sie von einer Horde verrückter Mountainbiker überholt wurde. Ich bin in einer Kehre nicht mehr ganz an einem Bus vorbeigekommen und hatte ziemlich Glück, daß kein Gegenverkehr kam.

Nichtsdestotrotz erreichten wir unversehrt um 13.38 Uhr das Ziel in Canazei, einem Ort, der zwischen sehr schönen Dolomittengipfel eingebettet liegt. In Canazei fühlte man zum ersten Mal, daß man in Italien ist. An den Etappenorten zuvor merkte man immer, daß man in Tirol war. Die Bikes waren heute ziemlich fertig. Zu Beginn der Etappe war der Untergrund naß, die Räder waren nun im Ziel total verschlammt. In Canazei hatten wir in einer kleinen Pension über einem Eiscafe reserviert. Die Zimmer waren echt O.K.

Heute gab es mal keinen Mittagsschlaf. Wir hatten einen Bärenhunger. Wir standen jedoch vor einem Problem, daß uns fast die ganze Transalp Challenge verfolgte. Meist erreichten wir so gegen 13.00 Uhr bis 14.00 Uhr das Ziel, nachdem wir geduscht hatten war meist so um 15.00 Uhr. Um diese Uhrzeit bekommt man nirgendwo etwas ordentliches zu essen. So auch heute. In einer Eisdiele stopften wir uns jeweils 2 trockene Baguette rein. Diese konnten unseren Hunger nicht so richtig stillen. Mit halbleerem Bauch gings also wieder ins Quartier zu einem Mittagsschlaf. Anschließend gabs natürlich wieder eine Nudelpary mit Siegerehrung.

Nach dem heutigen Tag waren wir recht zuversichtlich, das Ziel zu erreichen. Inzwischen hatten wir 330 Kilometer und über 10000 Höhenmeter zurückgelegt, also hatten wir bereits mehr als die Hälfte geschafft! Wir waren beide noch einigermaßen fit, keiner hatte sich verletzt oder kränkelte. Somit konnten wir nach der Hälfte der Tagesetappen insgesamt eine positive Bilanz ziehen.

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