Ein paar Eindrücke der Transalp Challenge 2011

    Tag 1: Mittenwald - Weerberg
    Der Blick aus dem Fenster lies heute Morgen auf eine schöne erste Etappe hoffen. Der Himmel war absolut wolkenfrei. Um nicht ganz hinten starten zu müssen waren wir ne Stunde vor dem Start im Startblock. Um 10 ging das jährliche Spiel dann wieder los. Links und rechts in den Gassen flogen die jubelnden Zuschauer vorbei. Bei dem Gedränge war aber mal wieder keine Zeit zu schauen. Es war volle Konzentration notwendig um nicht mit einem anderen Teilnehmer zu kollidieren. Also raus aus dem Ort in Richtung Scharnitz. Chrstoph machte Tempo, ich musste ganz schön Gas geben um mitzukommen. Komisch, er wollte die ganze Geschichte doch  langsam angehen lassen. Naja, also hinterher. Als es nach Scharnitz das Tal hochging in Richtung Hochalmsattel musste ich schon ganz schön beißen. Also so hatte ich mir das heute nicht vorgestellt. Die letzten Kehren zum Hochalmsattel musste ich Christoph ziehen lassen. Ich musste mich hier hochquälen, obwohl es gerade mal der erste Berg der Transalp war. Na das kann auf den nächsten 22000 Höhenmetern noch heiter werden! Sogar in der Abfahrt tat ich mich schwer. Total verkrampfte Hände. Irgendwie fand ich gar keinen Rhytmus. Na gut, die Straße hoch zur ersten Verpflegung und dann versuchen in einen Rhytmus zu kommen. Guter Vorsatz, aber funktionierte überhaupt nicht. Das Plumpsjoch hoch war ich echt platt. Mit letzter Kraft quälte ich mich über die Paßhöhe. ...wie hatte ich mir das ganze zurechtgelegt? Die ersten 3 Tage locker ohne allzu große Anstrengung fahren??? Na das war genau das Gegenteil. Unten am Achensee war starker Gegenwind. Ich konnte selbst im Windschatten das Tempo von Christoph nicht mitgehen und musste abreissen lassen. Was für ein Tag. Unten im Inntal fand ich dann zum Glück eine gute Gruppe, die nicht allzu schnell fuhr. Mit 35 bis 38 km/h ging's 15km den Inntalradweg entlang. Im Prinzip fehlte nur noch ein 350hm Anstieg hoch nach Weerberg. Auf dem Teersträßchen ging jetzt nicht mehr viel. Der Termometer am Tacho zeigte 32 Grad an. Und ein Hitzefahrer war ich ja bekanntlich noch nie. Ich quälte mich im ersten und zweiten Gang bis zum Ortsrand von Weerberg, dann ging die Strecke aber noch mal ins Gelände. Den mittelschweren Schlussanstieg schob ich hoch. Oben stand Christoph und machte gute Miene zum bösen Spiel. Na super. Was für ein Eröffnungstag. Hoffentlich wird's morgen besser.

    Tag 2: Weerberg - Mayrhofen
    Von Weerberg aus ging's ohne Einrollen in den ersten Berg. Die 900 Höhenmeter konnte ich einigermaßen gut durchfahren und mit
    Christoph mithalten. Aber locker ist anders. Und extrem warm war es leider auch. Zum Glück war die zweite Hälfte des Anstieges im Wald und einigermaßen schattig. Also nach gut einer Stunde wurde der erste Berg abghakt. Nach einer schnellen Abfahrt folgte die erste Verpflegungsstation in Innerst. Die gerade erarbeiteten Höhenmeter waren wieder vernichtet und wir waren zurück auf dem normalen Anstieg zum Geiseljoch hoch. Die nächsten 500 Höhenmeter liefen ganz gut. Aber die Beine waren wieder nicht leicht. Die zweite Hälfte des Anstieges auf das Geiseljoch hoch waren nochmals gut 500 Höhenmeter. Musste Christoph ziehen lassen und biss mich am Hinterrad des Vordermannes fest. Wie heißt es so schöh: Mit Kampf zum Erfolg. Spass sieht anders aus. Oben am Geiseljoch ohne Anhanlten gleich weiter in die lange Abfahrt in Richtung Finkenberg / Mayerhofen. 'Leider hatte Uli Stanciu aber noch andere Pläne mit uns und die Stecke führte nicht einfach nur das Tal runter. Irgenwann zweigte links eine steile Forststraße ab, die den dritten und letzten Anstieg zur Wangelalm einläutete. Nochmams gut 700 Höhenmeter bergauf. Ich merkte sofort, dass ich meine Reserven am Geiseljoch verbraten hatte. Naja, irgendwie komm ich die 700 Höhenmeter hoch, das wusste ich. Was mir Sorgen machte, war die Tatsache, dass die Transalp erst losging und ich auf den ersten beiden Etappen gar keine Körner verbraten wollte. Und nun schob ich den Großteil des Berges nach oben. Christoph sah ich immer ein Stück voran. Am Ende waren es ein paar Kehren voran. Irgendwann war ich oben und war heilfroh, dass nun 1600 Tiefenmeter ins Zillertal bevorstanden. Hatte ein schlechtes Gewissen dass Christoph so lange auf mich warten musste. Und dann plagten mich die Gedanken an den vierten Tag. Wie sollte ich in der Verfassung über 3500 Höhenmeter schaffen???

    Tag 3: Mayrhofen - Brixen
    Das Wetter hatte komplett umgeschlagen, es regnete in Strömen. Ich war aber irgendwie froh, da ich bei diesen Bedingungen meist besser zurechtkomme als bei Hitze. Nachdem es in der Nacht oben am Pfitscherjoch geschneit hatte, entschied ich mich dazu lang zu fahren. Nach dem Start merkte ich sofort, dass es heute wieder gut lief. Zum Glück, so konnte das Drama auch nicht weitergehen. Zum ersten Mal bei der Transalp war ich schneller unterwegs als Christoph. Und das beste war, ich konnte dabei recht locker fahren!.Ohne Probleme legten wir die ersten 1200 Höhenmeter zurück. Nach 1h50min waren wir am Schlegeisspeicher. Danach folgte der holprige Anstieg zum Pfitscherjoch. Nach wenigen Metern war nur noch schieben angesagt und wir trampelten in einer Schlagne in Richtung Paßhöhe. Nach insgesamt 2:45min waren die insgesamt 1600 Höhenmeter geschafft. Zwischen Schlegeisspeicher und Pfitscherjoch hatte es noch etwa 7 Grad. Für mich ideale Temperaturen. Es folgte die rasende Abfahrt in Richtung Sterzing. Leider hatte Christoph einen schleichenden Plattfuss. Wir mussten 2x Reifenwechseln und haben somit etwa 15min verloren. Schade, ansonsten hätten wir es gut unter die Top 60 bei den Mater geschafft. So war es Platz 81. Im Süden des Alpenhauptkammes war das Wetter nicht unbedingt besser. Vor Sterzing war es kalt und es regnete leicht. Erst kurz vor Brixen
    machte das Wetter etwas auf, so dass wir bei passablem Wetter auf dem Domplatz einrollten. Die letzten Kilometer waren gar nicht so einfach. Wir hatten einen recht flotten Zug und die Gegenanstiege mussten immer wieder weggedrückt werden um die Gruppe nicht zu verlieren.

    Tag 4: Brixen - St. Vigil
    Heute stand die Königsetappe auf dem Programm. 3445 Höhenmeter waren zu bewältigen. Ehrlich gesagt flösten mir die Daten der Strecke schon etwas Respekt ein. Pünktlich um 09:00 Uhr gings los. Der Anfang der Etappe ist schnell erzählt. Erst mal 1600 Höhenmeter hoch auf die Plose. Zum Glück waren meine Beine ganz gut und ich konnte mich unten auf dem Teer etwas freikurbeln. Nach der Talstation der Plosebahn ging's auf Schotter weiter. Zum Glück war der Weg konstant steil, so dass man schnell einen Rhytmus fand. Christoph musste etwas beißen, aber oben war er gerade mal 100 Meter zurück. Nach knapp 2 Stunden hatten wir die Bergstation 1600 Hm über Brixen erreicht. Ab hier folgte ein super schöner Höhenweg. Erstmals konnte man die ersten Dolomitengipfel erkennen. Der Blick rüber zum Peitlerkofel war gigantisch. Die Temperaturen lagen für mich auch im Idealberich. So 14 bis 15 Grad bei leichter Bewölkung. Einfach perfekt. Nach einer Trailorgie von einigen Kilometern gelangte man wieder etwa 300 Höhenmeter unterhalb des Würzjoches auf die Paßstraße. Das Joch war schnell geschafft und weiter ging’s. Nach einer rasanten Abfahrt durchs Gelände folgte der nächste Anstieg. Der hatte es aber in sich. Extrem steile Rampen, die nicht alle fahrbar waren. Jetzt ging's an die Reserven. Aber wir schafften auch diesen Anstieg. Es folgte ein super schöner Trail nach Zwischenwasser. Dort bogen wir auf die Hauptstraße nach St. Vigil. Auf dem Schild stand St. Vigil 4,5 km. ...es könnte so einfach sein. Aber Uli Stanciu wollte es uns nicht so einfach machen. Ein paar hundert Meter weiter ging's rechts in den nächsten Anstieg. Jetzt his es beeisen. Christoph und ich mussten echt kämpfen. Nach einer Weile wurde der Weg flacher und wurde zum schönen Trail. Aber dann wurden wir wieder im Abtei-Tal ausgespuckt wo es zum Glück nochmal eine Verpflegungsstation gab. Ein Gel und ein Riegel rette mein Leben. Es folge der Schlussanstieg, auf dem nochmals 700 Höhenmeter zu bewältigen waren. Zuerst ging es auf einer steilen Teersträßchen noch noch recht gut fahrbar bergwärts. Nach dem Örtchen Costas folgen aber immer wieder extrem fiese Rampen, die kaum mehr fahrbar waren. Man darf auch nicht vergessen, dass wir bereits 3000 Höhenmeter in den Beinen hatten. Die letzten Höhenmeter zur Paßhöhe der Forcola de la Cians wurden geschoben. Und das ohne schlechte Gewissen, weil hier jeder geschoben hat. So endlich oben und nur noch abwärts rollen. Tja, hätte eigentlich so schön sein können, aber es folgte ein Höhenweg, der zwar auf der gleichen Höhe verlief, aber immer wieder knackige Gegenanstiege präsentierte. Ich denk mal hier haben heute einige geflucht. Aber auch das schafften wir noch und rollten wenig später glücklich in St. Vigil ein. Wenn ich daran denke, wie schwer ich in den ersten beiden Tage kämpfen musste, war das heute doch eine ganz andere Fahrerei. ...zum Glück!

    Tag 5: St. Vigil - Alleghe
    Neuer Tag, neues Glück. Heute stand die Strecke durch den Fanes Nationalpark auf dem Programm. Da ich schon einige Male in St. Vigil Bikeurlaub verbracht hatte, kannte ich die Strecke fast so gut, als ob es eine Heimstrecke wäre. Den Anstieg aufs Limojoch bin ich bestimmt schon 10x gefahren. ...aber noch nie bei so Wetterverhältnissen wie heute. Am Start regnete es Bindfäden, nicht einfach nur Regen sondern extrem starker Dauerregen. Das Termometer sagte auch nichts gutes. So um die 8 Grad. Und wir waren auf 1100 Meter und die Strecke sollte bis auf 2400 Meter hinauf führen. Na das konnte spannend werden. Ich hätte nicht gedacht, dass ich diese Woche nochmals meine lange Hose und Jacke brauchen würde, aber sie kam doch wieder zum Einsatz. Aus dem Ort raus in Richtung Pederü Hütte merkte man erst was es für ein Sauwetter war. Nach kürzester Zeit war man klatschnass und warm wurde einem auch nicht. Also Augen zu und durch. Meine Beine waren ganz o.k. und ich konnte mich auf den ersten leicht ansteigenden Kilometern etwas freikurbeln. An der Pederühütte zog ich die Regenjacke aus und fuhr in der langen Trikotjacke weiter. Leider war auf dem groben Schotter kein entspanntes Kurbeln möglich, da das Tempo vor uns total inhomogen war. Immer wieder musste jemand in den groben Schotter ausweichen und die Segel streichen. Christoph und ich konnten beide ein gutes hohes Tempo fahren. An das Wetter hatte ich mich inzwischen gewöhnt und bereite keine Probleme mehr. Kurz vor der Fanesalm hörte der Regen dann auf. Aber leider nur, weil er in Schnee überging. Nach gut 1:30min hatten wir das Limojoch erreicht. Es schneite wie im Winter und der Schnee blieb auch liegen. Also schnell wieder die Regenjacke an und ab in die Abfahrt. Die grobschottrige Strecke auf Schotterwegen und Trails waren bei dem Wetter nicht ohne. Meine Finger spürte ich fast nicht mehr und es war bitter kalt in der Abfahrt, weil wir total durchnässt waren. Leider hatte ich meine Überschuhe in der Tasche vergessen. Die wären heute Gold wert gewesen. Unten im Tal an der ersten Verpflegungsstelle wurde uns mitgeteilt, dass das Rennen an der zweiten Verpflegungstelle beendet sein wird, weil es am Rifugio Averau stark schneite. Also in strömendem Regen weiter auf der ehemaligen Bahntrasse nach Cortina und rein in den Schlussanstieg in Richtung Falzarego Paß. Das Ziel sollte irgendwo an der Abzweigung in Richtung Rifugio Cinque Torre sein. Das lockere Kurbeln hatte aber bald ein Ende, weil die Strecke die Fahrstraße verlies und wir uns auf einem grobschottrigen Weg eine Skipiste hochquälen mussten. Aber da es bald zu Ende sein sollte, war das nicht so wild. Weiter oben gelangten wir wieder auf die Paßstraße. Nach weiteren 3-4 Kilometern erreichten wir das Ziel. Schade eigentlich, ich wär noch gerne weitergefahren, weil es inzwischen aufgehört hatte zu regnen. Naja egal, Morgen sollten wieder 3200 Höhenmeter folgen, also hinnehmen wie es ist. Heute hatten wir den 53 Platz im Gesamtklassement erreicht. So gut waren wir noch nie. Im Gesamtklassement sind wir jetzt 72er. Noch 2 Plätze nach vorne und wir sind ein Startblock weiter vorne. Mal schauen ob wir das noch schaffen. Nach dem provisorischen Ziel mussten wir aber noch neutralisiert bis nach Alleghe weiterfahren. Also nahmen wir ohne große Pause die letzten 5 Kilometer bis zur Paßhöhe des Falzaregopasses in Angriff. Das mittlere Blatt wurde aber gleich durch das kleine Blatt ersetzt, da es jetzt nicht mehr auf die Zeit ankam. Die Abfahrt vom Falzaregopass bis nach Alleghe kühlte uns nochmals komplett aus. 1200 Tiefenmeter forderten mal wieder ihren Tribut. Aber auch diesen Tag konnten wir abhaken. Nur schade, dass wir bei dem Wetter die Sahnestücke der Dolomiten nicht genießen konnten. Aber morgen soll es zum Glück sonnig werden.

    Tag 6: Alleghe - San Martino di Castroza
    Der sechste Tag begrüsste uns endlich mal mit einem blauen Himmel. Es war noch kühl aber natürlich kein Vergleich zum Vortag. Heute waren etwas mehr als 3200 Höhenmeter zu bewältigen. Im Gegensatz zu den Vortagen aber nicht in 2-3 langen Anstiegen sondern in 11 kürzeren Ansteigen mit etwa 300 bis 600 Höhenmeter. Also vergleichbar mit den Strecken im Schwarzwald. Glücklicherweise merkte ich am ersten Berg, dass ich nach wie vor gut voran kam. Der erste Anstieg kostete gleich einige Körner, da die zweite Hälfte extrem steil war und einige Stellen geschoben werden mussten. Wir arbeiteten uns in den ersten 2 Stunden im Feld nach vorne und genossen zwischendurch die herrlichen Ausblicke auf die Civetta und die umliegenden Bergketten. Immer wieder boten sich herrliche Ausblicke. Die ersten 6 Berge waren schnell abgehakt. Danach folgte der zweite längere Anstieg zum Passo St. Pelligrino. Christoph musste etwas Tempo rausnehmen und ich konnte dadurch lockerer fahren. Wir waren schon 2h30 min unterwegs und die erste Verpflegung lag noch vor uns. Zum Glück hatte ich ein Gel dabei, das rettete mich bis zur Verpflegung. Die zweite Hälfte auf der alten verfallenen Straße zum St. Pelligirno Pass war so steil, dass wir bestimmt 200 Höhenmeter schieben mussten. Oben, kurz vor der Paßhöhe war dann endlich die erste Verpflegung. Es folgte eine Highspeed Abfahrt die Paßstraße hinunter, nach ca. 5 km ging es aber schon wieder in den nächsten Pass. Das ständige auf und ab kostete Kraft. Mein Edge verriet mir aber, dass wir in den ersten 4 Stunden 2250 Höhenmeter gefahren waren, also waren wir nicht sooo schlecht unterwegs. Es folgte eine Abfahrt und wieder ging es in den nächsten Berg. Der Passo Lusia war wieder grauslig zu fahren. Steil schottrig und anstrengend. Oben angekommen wurde man jedoch durch den herrlichen Ausblick auf die Pale entschädigt. Eine imposante Bergformation, auf welche wir uns zubewegten. Es folgte ein kniffliger Trail, der aber richtig Spass bereitete. Zuerst über Wiesen und dann über verblocktes, grobschottriges Gelände. Einfach klasse. Und schon waren wir wieder im Tal und fuhren die Straße hoch in Richtung Passo Vales um aber gleich wieder rechts in Val Venegia abzubiegen. Hier waren jetzt nochmals 600 Höhenmeter runterzukurbeln. Christoph musste beissen und ich konnte den moderaten Anstieg recht locker hochkurbeln. Ich war gar nicht böse, dass ich mich nicht quälen musste. Oben angekommen konnte man nochmals den gigantischen Ausblick auf die Pale geniessen. Leider fing es an leicht zu regnen, also schnell die Regenjacke an und ab in die Abfahrt in Richtung Passo Role. Die letzten Kilometer in Richtung San Martino waren dann wieder auf schönen Trails zu fahren. So macht biken fun! Und schon waren wir wieder im Ziel. ...irgendwie vergeht die Woche wie im Zeitraffer. Man ist gar nicht in der Lage die Fülle an Informationen zu verarbeiten. Aber das macht für mich die Transalp auch aus. Morgen steht schon die vorletzte Etappe auf dem Programm. Wenn nichts außergewöhnliches passiert, sollten wir das Ziel in Riva erreichen. Aber ich will den Tag nicht vor dem Abend loben. Morgen stehen schließlich 123 km auf dem Programm mit einigen Höhenmetern.

    Tag 7: San Martino di Castroza - Trento
    Jippi,  heute standen wir im Startblock B. In der Gesamtwertung hatten wir uns auf Platz 65 verbessert und durften somit einen Startblock nach vorne rutschen. Und das Wetter war auch klasse, so Nach dem Start ging es 100 Höhenmeter nach oben und dann folgte eine 15km lange Abfahrt mit ständigem auf und ab. Jeder wollte natürlich recht weit vorne in der Abfahrt sein und somit war es eine ziemliche Hetzerei. Normalerweise beruhigt sich das Ganze bei der Transalp nach ein paar Tagen, aber heute war irgendwie alles anders. Also hetzten wir mit und fuhren die fahrtechnisch wirklich schönen ersten Kilometer ebenfalls total gehetzt. Nach etwa 20 Kilometer spukte uns die Strecke nach einem schönen technischen Trail auf der Fahrstraße in Richtung Passo Chique Croixe aus. Ab hier ging es nun etwa 30 km gleichmäßig bergan. Von 800Hm hinauf bis auf 2000Hm. Ich fühlte mich immer noch gut und musste nicht voll fahren. Ehrlich gesagt kam mir das entgegen, da ich vor der 122km langen Strecke etwas Respekt hatte. Ohne Probleme kletterten wir Meter für Meter nach oben und nach 2h45min hatten wir die Passhöhe erreicht. Ging einfacher als gedacht, der Anstieg ist aber auch recht leicht zu fahren, da er immer konstant steil ist. Ein Großteil des Weges verläuft im Wald und somit hatten wir auch mit der Sonne keine Probleme. Oben auf der Paßhöhe auf 2000m war es schön kühl. Eine halbe Stunde später und 1600 Höhenmeter tiefer war das aber gleich mal anders. Zuvor folgte jedoch erst einmal eine rasende Abfahrt auf Schotter und Teer ins Val Sugana. Unten musste man sich erst mal an die Temperaturen gewöhnen. Mein Tacho zeigte 32 Grad an. Aber es war noch einigermaßen erträglich. Die nächsten 40 km mussten fast eben im Val Sugana gefahren werden. Die Strecke verlief auf dem Radweg, welcher komplett geteert war. Wir versuchten mit Gruppen mitzuschwimmen, aber Christoph konnte bei Tempowechseln die Gruppen nicht halten, so dass ich gezwungenermaßen ab und zu im Wind voraus fahren musste. Aber es lief einigermaßen gut und war o.k. Links im Fels sah ich die Straße des Kaiserjägerweges, hier bin ich in den Jahren 98 99 und 2000 hoch. Heute ging es aber nicht nach Folgaria sondern nach Trento. Also weiter in Richtung Lago di Caldonazo. Es folgte der Schlussanstieg. Es waren zwar nur 300 Höhenmeter, aber nach über 100 km kostete er mal wieder viel zu viel Körner. Glücklicherweise fuhren wir im Wald und komplett im Schatten. Christoph mobilisierte seine letzen Kräfte und wir mussten keine weiteren Teams im Anstieg passieren lassen. Danach ging es tendenziell bergab, aber durch das eine oder andere Dörfchen gab es immer wieder ein paar fiese Rampen. Irgendwann waren wir dann auf der Fahrstraße in Richtung Trento und konnten die Beine hochnehmen, da es super rollte. Kurz vor Trento war dann das Ziel aufgebaut. Die letzten 8 km rollten wir dann neutralisiert nach Trento rein. Tag 7 von 8 war abgehakt. Super noch eine Etappe. Wenn nichts unvorhersehbares passiert, werden wir wohl das Ziel in Riva erreichen. Wir hat Christoph gesagt: Morgen komm ich in Riva an und wenn ich die ganze Strecke schiebe! Trento ist übrigens noch ne ganz nette Stadt. Wir genehmigten uns erst mal einen schönen Eiskaffe auf dem Domplatz und genossen das südländische Klima. Wir konnten uns übrigens um einen Platz auf Platz 64 in der Gesamtwertung verbessern.

    Tag 8: Trento - Riva
    Im Gegensatz zu den Vorjahren stand heute nicht wirklich eine “Ausrolletappe” auf dem Programm. Es war auch keine Extremetappe, aber immerhin waren noch 2162 Höhenmeter zu bewältigen. Pünktlich zum Start fing es wieder an zu regnen, glücklicherweise aber nur leicht. Nach einem neutralisierten Start ging es gleich ab in den Berg. Erst mal knapp 900 Höhenmeter hoch in Richtung Monte Bondone. Uli Stanciu hatte heute kein Mitleid mit uns. Wir fuhren nicht die Straße sondern immer wieder mördersteile Rampen durch’s Gelände. So früh in der Etappe führte das zwangsläufig zu Staus. Aber am letzten Tag nimmt man das etwas lockerer. Ist halt immer ein großer Spagat, 1000 Leute durch eine Strecke zu schleusen und dann immer möglichst auf genialen Trails. Komischerweise hatte ich heute immer noch ganz gute Beine. Irgendwie eine eigenartige Transalp. Christoph hatte heute auch wieder seine Energie zurück und wir knüppelten den Berg hoch. Oben an der Malga Brigolina war die erste Verpflegung. Man zieht schon Resüme, der letzte lange Berg ist erledigt. ...was für eine Woche. Aber schnell sind die Gedanken wieder verdrängt und es geht weiter. Die ganz neue Strecke macht echt Spass, durch die Bergdörfchen und vorbei am Lago di Terlago und weiter vorbei am smaragdgrünen Lago di Lamar. Aber dazwischen waren immer wieder hammermäßige Rampen zu bewältigen. Die Trails auf typischem Gardaseegelände entschädigten einen dann aber immer wieder. Der letzte richtige Anstieg führte auf Teer zum Örtchen Ranzo hoch. Wir wollten die Rampe wegdrücken, da merkte ich, dass meine Kurbel immer schwerer ging und sich schließlich fast nicht mehr bewegen lies. So ein Mist, bisher kein Defekt und dann so was kurz vor dem Ziel. Bei der Fehlersuche huschten die ganzen Teams, welche wir am ersten Berg abgehängt hatten wieder an uns vorbei. Ich vermutete, dass die Kurbel sich festgelaufen hatte durch den ganzen Schlamm. Ich spritzte meine ganze Trinkflasche über die Lager, aber keine Verbesserung. Hinterrad raus und wieder rein, aber nichts weiter gefunden. Ich versuchte weiterzufahren, aber ich konnte die Kurbel nicht mehr im Kreis bewegen. Also nochmal Hinterrad raus und alles genau anschauen. Jetzt fand ich das Problem. Der Zahnkranz hatte sich gelockert und die Befestigungsmutter bewegte sich so weit nach aussen, dass sie alles blockierte. Von Hand, ohne Abzieher wieder etwas angezogen und weiter ging’s. Lange musste das ganze ja nicht mehr halten. Shit, wegen des Defektes hatten wir bestimmt 10 Minuten verloren. Wir kurbelten noch die Straße bis Ranzo hoch und die letzten Abfahrt zum Lago di Toblino folgte. Ja keinen Plattfuss bekommen, aber auch die 4 Leute vor uns nicht wegziehen lassen, damit wir in der Ebene einen Zug vor uns hatten. Der Plan ging auf und wir konnten mit der Gruppe die kanpp 30 Kilometer auf dem Ebenen bis Riva vorbolzen. Inwischen hatte sich die Sonne durch die Wolken durchgearbeitet und wir rollten bei herrlichem Wetter in Riva del Garda ein. Tagesrang 69. Ohne Defekt wäre es wohl um den Platz 55 gewesen. Naja egal, sollte halt nicht sein.