Les Contamines (F) nach Martigny (CH) 2125 Höhenmeter, 63 Kilometer

 

montblanc_etappe4

17.08.2001

Heute morgen geht es recht entspannt los. Ich folge der Hauptstraße talwärts und vernichte auf den ersten 7 Kilometern etwa 200 Höhenmeter. Ich dachte schon, so könnte das ruhig weitergehen, aber dann musste ich in Bionnay schon rechts in Richtung Col de Voza abbiegen. Der Anstieg hat es von Anfang an in sich. Die Steigung ist durchgehend sehr steil. Zuerst auf Teer und zum Schluss auf Schotter. Die letzten Meter bis zur Paßhöhe fahre ich im ersten Gang und muss immer damit kämpfen, dass mein Vorderrad nicht die Bodenhaftung verliert. Am Col de Voza muss man die Schienen einer Zahnradbahn überqueren. Neben mir steht auch schon eine Horde Japaner, also gleich flüchten und weiter in Richtung Les Houches. So steil wie es auf der einen Seite hoch ging, geht es nun auf der anderen Seite nach unten. Nur bergab macht mir das etwas weniger aus. Aber meine Bremsen werden ganz schön in Mitleidenschat gezogen. Ich habe so starkes Fading, dass ich zwei dreimal anhalten muss um meine Scheibenbremse abzukühlen. Etwas später rolle ich dann aber schon in Les Houches ein. Hier bekomme ich gleich mal wieder einen Schock. Die breite Autobahn in Richtun g Chamonix lässt meine Stimmung gleich mal etwas sinken. Ich biege auf die breite Route National ein, welche neben der Autobahn verläuft. Zum Glück kann ich nach ein paar Kilometern die Talseite wechseln und auf der Südseite mit etwas weniger Verkehr die leichte Steigung bis Chamonix zu bewältigen. Chamonix verbreitete wieder die pure Hektik. Touristengruppen, welche ziellos durch die Strassen stürmten, Autos, welche sich hupende den Weg freikämpften, Wanderer welche mit ihrer Ausrüstung und ihrem coolen Wesen signalisieren "Wie sind die Cracks" Eigentlich wollte ich hier Mittagspause machen. Aber ich entschied mich noch bis Argentiere weiterzufahren. Dort fand ich ein gemütliches Restaurant wo ich wieder meine Speicher auffüllte.

Kurz nach Argentiere konnte ich endlich wieder die stark befahrene Hauptroute verlassen und bog ab in Richtung Le Tour. Ich folgte der Straße bis diese nach Le Tour an der Talstation einer Seibahn endete. Kurz spielte ich mit dem Gedanken den Anstieg durch die Fahrt mit der Gondel etwas zu verkürzen. Aber ich verwarf den Gedanken gleich wieder. Ich kann meine Höhenmeter schon aus eigener Kraft zurücklegen!! Also mühte ich mich die steilen Kehren den Schotterweg hinauf in Richtung Bergstation. Zum Teil waren ziemlich steile Rampen dazwischen, an welchen ich schieben musste. Am ersten Tag wär ich hier wohlTag4_col_de_balme1 noch gefahren. Aber inzwischen ließen die Kräfte doch spürbar nach. Aber ich war ja schließlich am letzten Anstieg meiner Tour und das motivierte mich. Nach der Bergstation wurde der Schotterweg zum Glück etwas flacher. Der Schotterweg führt einen bis hoch zum auf 2204m zum Col de Balme. Hier oben fühlte ich mich wieder wohl. Zurück hatte man einen phantastischen Blick auf Mont Blanc Massiv. Und gerade aus ging es in einen super schönen Downhill zum Forclaz Paß. Ich denke ich bin 80% des Trails gefahren. Er ist die ganze Zeit grenzwertig, aber aus meiner Sicht doch fahrbar. Wer aber nicht auf Felsstufen und kniffligen Passagen steht, der wird bestimmt nur 20% des Downhills fahren. Aber mich versetzten die Abfahrt wie in Trance. Einfach nur genial. Unten rollte man über eine Wiese aus. Jetzt mussten auf der breiten Hauptstrasse nochmals 150hm bewältigt werden, bevor ich am Col de la Forclaz stand und meinen Ausgangspunkt Martigny auf der anderen Seite des Passes quasi schon erahnen konnte. Ich setzte also meine Fahrt auf der Breiten Hauptstraße fort, welche ich aber bald verlies um  den Rest der Abfahrt durch kleine Dörfer unterhalb der Paßstraße zu geniesen. Auf einer kleinen Teerstraße vernichtete ich so nochmals gut 1000 Höhenmeter und rollte unten zufrieden in Martigny aus.

Es waren 4 unvergessliche Tage mit vielen Kontrasten. Auf jeden Fall hatte sich das ganze gelohnt!