Craft Bike Trans Germany / Juni 2010

transgermany

Dieses Jahr wollte ich mal was neues ausprobieren. Und da bei der Trans-Germany dieses Jahr eine neue Strecke zwischen Garmisch und Bregenz auf dem Programm stand, entschloss ich mich im Winter dazu mich anzumelden.

Der Streckenverlauf reizte mich, da ich im Algäu noch nie mit dem MTB unterwegs war.
Leider hatte der tatsächliche Streckenverlauf, mit dem im Januar vorgestellten Streckenverlauuf, nicht mehr viel gemeinsam. Der Trailanteil war deutlich geringer, dafür hatte der Teeranteil deutlich zugenommen. Aber ich war angemeldet und konnte an der Situation nichts ändern, also Augen zu und durch...

Das Rennen ging von Mittwoch bis Samstag. Der organisierte Rücktransport hätte am Sonntag stattgefunden. Um am Samstag noch nach Hause zu kommen, entschieden sich mein Transalp Partner Christoph und ich uns dazu von Bregenz mit dem Zug nach Garmisch anzureisen. Die Anreise verlief recht entspannt und problemlos. Der größe Stress bereitete die Suche nach einem Parkplatz in Bregenz, auf dem wir 4 Tage lang stehen durften ohne abgeschleppt zu werden oder einen Strafzettel zu erhalten. Aber auch dieses Problem konnte gelöst werden.)

 

Bilder
der Tour

Craft Bike Transgermany 2010 Bilder

Ettape 1:  Garmisch Partenkirchen - Lermoos, 81,7 km, 2096 hm

Craft Bike Transgermany 2010 Höhenprofil 1

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Garmisch - Lermoos

Craft Bike Transgermany 2010 Etappe 1

1. Tag

Der Wetterbericht vom Vortag der ersten Etappe prognostizierte einen Regentag voraus. Leider hatte der Wetterbericht richtig gelgen! Mit der großen Trans Germany Tasche auf dem Lenker rollten wir sehr langsam in Richtung Start um nicht zu viel Spritzwasser abzubekommen. Ich schaute immer nach einer Regenlücke, aber leider gab es keine. Etwa 45min vor dem Start stellten wir uns in den Starblock und mussten feststellen, dass wir ziemlich die letzten am Start waren. Na klasse, also nach dem Start erst einmal vorarbeiten. Im strömenden Regen erfolgte um 11.00 Uhr der Start. Das Feld rollte los durch die Innenstadt. Vor lauter Starteuphorie hatte ich Christoph im Getümmel verloren. Eigentlich wollten wir zusammen losfahren. Aber warten wollte ich jetzt auch nicht mehr. Ich war froh, dass ich mich ein paar Plätze nach vorne gearbeitet hatte.  Die ersten Kilometer waren echt nerivg. Dadurch, dass ich fast ganz hinten gestartet war, staute es sich an jeder Ecke und Engstelle
Anhalten, warten, dann wieder voll losprinten. Klassisches Stop an Go. Zum Glück war der Weg hoch zur Partnachalm recht breit und steil, so dass man recht gut überholen konnte. Die nächsten Kilometer kannte ich. Wir fuhren die Marathonstrecke des Garmischer Marathons rückwärts. Es ging über breite Forstwege über Elmau und Ferchensee in Richtung Mittenwald. Das Wetter war wirklich total grusselig. Es schüttete in Strömen bei Temperaturen um die 5 Grad. So langsam waren auch die Bikeklamotten durchweicht. Ich war froh, dass es hinter Garmisch wieder leicht bergan in Richtung Leutasch.  Somit kühlte man nicht ganz auszukühlen.
Das Problem war nur, dass ein recht hohes Tempo gefahren wurde und sich Gruppen zum Windschattenfahren bildeten. Die Sicht im Windschatten war aber quasi 0, da vom Vordermann auf dem feuchten Untergrund ständig Dreck, Wasss und Schlamm in meine Augen geschleudert wurden. Eine Brille war auch keine Alternative, da diese nach wenigen Metern verdreckt war. Also lies ich den Pulk fahren und radelte alleine weiter. Das Rennen wird nicht heute entschieden!
 

Tag 2 Lermoos - Pfronten  75,75 km, 1760 hm

Craft Bike Transgermany 2010 Höhenprofil 2

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Lermoos - Pfronten

Craft Bike Transgermany 2010 Etappe 2

2. Tag

Nachdem es die ganze Nacht geregnet hatte, war es am Morgen zumindest von oben trocken. Na immerhin! Am Start musste ich feststellen, dass ich auf Grund meines Vortagsergebnisses im 2. Startblock direkt hinter den Profis starten durfte. Das hob meine Laune gleich noch mal ein Stück. Gestern hatte ich noch das ganze Feld vor mir, heute waren es grad mal 20 bis 30 Leute. Auf Grund von Erdrutschen in der Nacht welche durch die heftigen Regenfälle verursacht worden waren, musste der Streckenverlauf etwas geändert werden. Aus dem Grund verliefen die ersten Kilometer auch erst mal auf kleinen Teersträßchen. Kurz vor Kirchhof an der Fernpaßstraße war der Weg auf einer Länge von etwa 300 Metern komplett überspült und unter Wasser. Der Wasserstand lag bestimmt bei 15 bis 20 Zentimetern. Na klasse, von oben war es trocken, nach dieser Pfütze war ich trotzdem total durchnässt. Wenn du alleine unterwegs bist, kannst du versuchen so ein Hinderniss zu umfahren, aber im Pulk mit meheren hundert Fahreren, da bretterst du halt einfach durch!

Nachdem die ersten 7 Kilometer dem Tal in Richtung Fernpass entlang gingen bog die Strecke nun nach links ab in Richtung Berwang. Auch dieser Anstieg war geteert. Nicht unbedingt das, was ich mir unter einer MTB-Strecke vorstelle. Ich lasse mich durch das Tempo im vorderen Feld anstecken und knüpple mit einer Gruppe die Strasse hoch nach Berwang. Kurz nach Berwang bog die Strecke zum Glück ins Gelände ab. Auf einem breiten Forstweg ging es berab in Richtung Rotlechstausee. Auf den nächsten Kilometern waren einige Bäche zu überqueren, welche quer über den Weg liefen. Einige Streckenabschnitte waren von den Niederschlägen in der letzten Nacht weggespült. Nach einiger Zeit war ich schon wieder total durchnässt obwohl es heute nicht regnete.

Die Motivation lies dadurch auch etwas nach. Nach der erten Verpflegung bei KM27 folgte der zweite längere Anstieg. Die Abfahrt hatte mich ganz schön ausgekühlt und ich musste dem hohen Tempo des ersten Anstieges etwas Tribut zollen. In einem Sägezahnprofil ging es stetig bergauf in Richtung Aderhorst. Das Wetter war nicht sehr prickelnd. Wolkenverhangen und kalt :-( Danach folgte eine leichte Teerabfahrt ins Tannheimer Tal. Hier folgten einige Trail und Wiesenpassagen. Aufgrund des durchweichten Bodens waren diese nicht gerade leicht zu fahren. Deshalb liesen sie auch keinen lockeren Rhythmus zu sondern forderte noch einige Körner. In Zöblen ging es in den nächsten Berg. Von oben nieselte es leicht aus den tiefen Wolken und es war immer noch ziemlich kalt. Meine Motivation war ziemlich im Keller. Ich drückte den letzten Berg hoch und hoffte auf recht einfache Kilometer bis ins Ziel. Doch in der Abfahrt bin ich 2 anderen Teilnehmern hinterhergefahren und wir haben dabei eine Abzweigung verpasst. Super! Jetzt konnten wir 50 Höhenmeter wieder nach oben fahren. Und knapp 10 Minuten hatte ich auch verloren. Die letzten 12 Kilometer ging es im stärker gewordenem Regen auf dem Radweg neben der Hauptstraße bergab in Richtung Pfronten. ...nicht wirklich eine schöne Bikestrecke. Wieder total durchnässt rollte ich ins Ziel in Pfronten ein.
 

Tag 3 Pfronten - Sonthofen 55,8 km, 1702 HM

Craft Bike Transgermany 2010 Höhenprofil 3

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Pfronten - Sonthofen

Craft Bike Transgermany 2010 Etappe 3

3. Tag

Heute Morgen war es im vergleich zu den beiden ersten Tagen mal ausnahmsweise trocken und sonnig. Da wurde meine Stimmung gleich deutlich besser. Was mich etwas missmutig stimmte, war der Teeranteil von 73%. Ich vermutete eine öde langweilige Teerstrecke. Aber ganz so schlimm war es nicht. Die Strecke führte duch eine landschaftlich reizvolle Gegend. Es machte heute wirklich Spass zu biken. Nach den beiden ersten anstrengenden Tagen waren die knackigen Anstiege heute wirklich nicht ohne. Zuerst der Anstieg über die österreichische Grenze nach Langenschwand hoch verlangte schon die kleinsten Gänge. Der zweite Anstieg zur Buchel Alpe war aber noch heftiger. Zum Teil lag die Steigung bei 26%!. Das ganze war nur fahrbar, weil der Untergrund aus Teer bestand. Am Ende des Teerstückchens folgte ein steiler Waldweg. Uli Stanciu versprach am Morgen jedem ein Bier, der hier durchfährt. Aber an Fahren war wohl bei niemandem zu denken. Der Weg bestand nur noch aus Schlamm, der zum Teil bestimmt 30cm tief war. Auch hier hatten die Regenfälle der Vortage ihre Spuren hinterlassen. Also stampften wir alle hintereinander her durch den tiefen Schlamm. Aber zum Glück war das Stück nicht allzu lange. Danach folgte eine längere Abfahrt. Kurz nach der Schnitzlertal-Alpe lag Pia Sundstedt neben der Fahrbahn. Kurz vorher hatte ich schon die Sturzspuren gesehen, welche direkt in einen rostigen Stacheldraht führten. Mir ging das Bild nicht mehr aus dem Kopf, wie sich so zarte Frauenbeine um so einen dreckigen Stacheldraht wickeln. Einfach nur grusselig. Irrwitzigerweise hat so ein Erlebnis aber keinen Einfluss auf die Geschwindigkeit die du fährst. Gleich nach der Unfallstelle folgte eine extrem schnelle Abfahrt auf einem schmalen Teersträßchen auf dem ich die Tageshöchstgeschwindigkeit von über 90km/h erreichte. Schon interessant wie schnell man da abschalten kann. Anschließend folgte der dritte Anstieg des Tages. Ebenfalls auf einem schmalen Terresträßchen. Ich hatte noch immer richtig Power und konnte die großen Gänge noch durchdrücken. Danach folgte eine schöne Abfahrt mit einigen technischen Passagen durchs Gelände. Solche MTB Passagen habe ich in den 4 Tagen Transgermany viel zu oft vermisst!!

Im Tal angekommen war Sonthofen schon zu sehen. Aber ich hatte noch das Höhenprofil im Kopf und wusste, dass noch ein Anstieg folgen würde. Es mussten nochmals knapp 500 Höhenmeter absolviert werden. Zu Beginn des Anstieges,  (mal wieder auf Teer) merkte ich, dass meine Speicher leer waren. Ich wurde von einigen Bikern hier am Berg überholt. Ich biss aber nochmal die Zähne zusammen und schaffte auch noch den letzten Anstieg bis zur neuen Straußbergalpe hoch. Danach ging es nur noch bergab ins Ziel nach Sonthofen. Was für ein ungewohntes Gefühl, im Zielbereich in der Sonne sitzen und die Beine baumeln lassen. Die beiden Tage davor war wollte das keiner machen. Ich wartete auf Christoph und wir fuhren beide gemeinsam mit dem Bike nach Hindelang, da wir dort ein Zimmer gebucht hatten. Die 10 Km leicht bergauf hätte ich mir auch gerne gespart!!!

Tag 4 Sonthofen - Bregenz 74,7 km, 1201 HM

Craft Bike Transgermany 2010 Höhenprofil 4

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Sonthofen - Bregenz

Craft Bike Transgermany 2010 Etappe 4

4. Tag

Nachdem wir vor dem Start schonmal gut 10km von Hindelang hinuntergerollt waren ging es wieder pünklich um 10.00 Uhr los. Endlich war richtig schönes Wetter. Meine Beine waren vor dem Start froh, dass die letzte Etappe auf dem Programm stand. Ich war schon ziemlich müde, weil das gefahrene Tempo doch höher war als beispielsweise bei einer Transalp Challenge. Im Prinzip fuhr man fast an jeder Stelle des gesamten Rennens Anschlag. Die Abschlussetappe sollte eine Strecke sein mit über 80% Teeranteil. Die ersten 15 Kilometer wurden auf dem kuppierten Gelände wieder total gepowert. Bis zum Einstieg in den Riedbergpass bei Obermaiselstein hatte ich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 30 km/h auf dem Tacho stehen. Ich dachte eigentlich, irgendwann würden es die anderen mal etwas ruhiger angehen. Aber da heute nur 1200 Höhenmeter auf dem Programm standen, versuchte irgendwie jeder seine Platzierung im Gesamtklassement nochmals zu verbessern. Den Riedbergpass hoch musste ich den Etappen der Vortage Tribut zollen. Ich konnte die großen Gänge einfach nicht mehr durchdrücken und musste etwas Tempo rausnehmen. Ich merkte, wie die Leute mit denen ich an den Vortagen zusammen gefahren war an mir vorbeizogen. Aber was sollte ich tun, ich kurbelte einfach mein Tempo den Berg hoch.

Der Riedbergpass wurde komplett auf der geteerten Hauptstraße gefahren. Eigentlich überhaupt keine Passende Strecke für eine MTB Veranstaltung. Da sollte sich der Veranstalter was einfallen lassen für die Zukunft. Es wurde argumentiert, dass man auf den ursprünglich geplanten Waldwegen keine Genehmigung bekommen hatte. Als Veranstalter sollte man da konsequent sein und das Rennen in einer MTB freundlichen Gegend ausführen und nicht das Rennen auf geteerten Straßen durchführen!

Nach der Paßhöhe ging es weitere 20 km  auf der Hauptstraße hinunter über Balderschwang nach Hittisau. Es bildeten sich Gruppen und es bildeten sich gleich Grüppchen. Man musste immer aufpassen, dass man den Anschluss nicht verpasste, da man ohne Windschatten aufgeschmissen war. Nach 40km verliesen wir zum ersten Mal die Teerstraße und es folgte mal ein Ansteig auf einem breiten Forstweg. Der ging aber nicht sehr lange und es folgte gleich wieder eine Abfahrt auf Teer hinunter ins Tal der Bregenzer Ach. Dem Flußlauf folgen wir einige Kilometer flussabwärts bevor man über eine Hängebrücke den Fluß überquerte. Auf einem schmalen Weg ging es im Zickzack bergaub. Klasse, endlich Mountainbiken. Doch das Vergnügen hielt nicht lange. Nach einigen hundert Metern folgte eine Engstelle, an der man absteigen musste und den abgeschwemmten Weg kletternd überwinden musste. Eigentlich kein Problem. Aber durch das große Fahrerfeld staute es sich mehrere hundert Meter weit. Nach meiner Aufzeichnung stand ich 12 Minuten, bis  ich wieder langsam weiterlaufen konnte. Danach ging es noch die letzten Meter des letzten Berges der Transgermany 2010 berghoch. Aber ich war jetzt kalt und war nicht mehr sehr motiviert. Die Biker neben mir übrigens auch nicht. Gemütlich kurbelten wir die letzten Höhenmeter berghoch in Richtung Buch. Nach Buch folgte noch ein echt schöner Singletrail bergab. Technisch schwierig, aber gerade so fahrbar. So stell ich mir Mountainbiken vor.

Die letzten knapp 10 Kilometer folgte die Strecke einem Radweg zuerst der Bregenzer Ach und anschließend am Ufer des Bodensee’s entlang. Ich mobilisierte nochmals meine letzten Kräfte und hängte mich in eine Gruppe hinten rein. Nach wenigen Minuten war das Ziel erreicht. Geschafft, meine erste Transgermany hatte ich bewältigt. Klar war ich happy die 4 Tage durchgestanden zu haben. Aber insgesamt war es keine gelungene Veranstaltung. Klar, die ersten beiden Tage waren durch das schlechte Wetter beeinträchtigt, darüber möchte ich auch gar nicht meckern. Ist ja schließlich ne Outdoor Sportart. Was mich aber doch sehr störte war mit einem schönen geländetauglichen MTB über Strassen zu brettern, wo daneben wirkich schöne Wege verlaufen. Das macht einfach keinen Spass. Die Gefahr, dass ich 2011 wieder an den Start gehe ist deshalb recht gering.