Comici 2011

Nachdem mein 14-jähriger Sohn und ich über Pfingsten an den Zinnen die Demuth-Kante und die Eötvös-Dimai durch die Tofana Südwand erfolgreich bezwungen hatten, machten wir in den Sommerferien einen zweiten Anlauf an den Zinnen und setzten unsere Ziele etwas höher. Wir wollten auf der Comici durch die Nordwand der Großen Zinne.
Große Zinne Comici, Blick Paternsattel                         Große Zinne Comici , Vorbau

Wir hatten an Pfingsten schon Logenplätze in der Demuthkante und konnten die Comici bzw. eine Seilschaft beobachten wie sie Große Zinne Comici , Blick in die Nordwandsich nach oben gearbeitet hat. Von weitem wirkt die Wand auf mich einfach nur furchteinflößend. Mein Bauchgefühl sagte mir: "Da kommst du nie hoch". Aber ich wollte es trotzdem versuchen. Da mein Kletternieveau aber doch doch etwas tiefer liegt als das von meinem Sohn, machte ich ihm klar, dass er die schweren 7er Seillängen vorsteigen muss. Bei mir ist bei ne 7- das Limit, er schafft den 8. Schwierigkeitsgrad  gut.

Am 11. August klingelte uns der Wecker um 04:00 Uhr aus den Betten im Rifugio Lavaredo. Wir wollten früh einsteigen um nicht mit anderen Seilschaften um den Einsteig kämpfen zu müssen. Nach einem kurzen Frühstück machten wir uns mit Stirnlampen auf den kurzen Weg zum Partnersattel. Im Gegensatz zu Pfingsten war es nun um kurz vor 5:00 noch stockdunkel. Und es pfiff ein eisiger Wind. Um kurz nach 05:00 Uhr waren wir am Vorbau der Comici angekommen. Es fing an ganz leicht zu dämmern. Augustin wollte sofort seilfrei über den Vorbau zum Einsteig der erste richtigen Seillänge hoch. Ich konnte gerade noch ne viertel Stunde rausschlagen bis es etwas heller wurde. Ich sah die dunkle kalte Wand über mir und stellte mir die Frage, wie um Himmelswillen ich mich dazu überreden lassen konnte in so eine Route einzusteigen.

Kurzzeitig spielte ich mit dem Gedanken, das ganze abzublasen. Aber das lies mein Ego dann doch nicht zu.
Also stiegen wir über den Vorbau hoch zum Standplatz der ersten Seillänge. Ich eierte ziemlich nach oben und tat mich schwer auf dem einfachen Vorbau Tritte und Griffe zu finden. Ich glaub so was nennt man Fracksausen :-)
Große Zinne Comici, Zustieg                            Große Zinne Comici, vor erster Seillänge
Im Halbdunkel zogen wir die Kletterschuhe an und bereiteten uns auf den Einstieg vor. Das Flackern einer Stirnlampe am Parternsattel , zeigte, dass eine zweite Seilschaft  im Anmarsch war. Glücklicherweise bogen die 2 Kletterer aber ein paar Meter vorher in die Hassse Brandler ab. Um 05:26 Uhr ging es in die erste Seillänge. Da Augustin die Seilängen 2 bis 6 vorsteigen musste, stieg ich die erste Seillänge (IV) vor. Die Seillänge stellte nicht wirklich eine Herausforderung dar.

Große Zinne Comici , Rast am Standplatz                                                  Große Zinne Comici, idealer Fels

Dann folgte die zweite Seillänge, die es in sich hatte. Eine VII. Augustin hatte das Ziel die Comici Onesight zu schaffen. Dies musste er aber bereits in dieser Seillänge abschreiben. Unsere Hände waren in der Kälte komplett gefühllos. Es hatte um die 4 bis  5 Grad Celsius. In dem kniffligen Quergang musste er einmal kurz in eine Exe fassen. Sein Onesightversuch scheiterte insgesamt noch  noch an zwei weiteren Stellen. Einmal musste ich in der sechsten oder siebten Länge kurz zumachen,  sowie einem einmaligen Griff in eine Trittleiter bei dem  kurzen Abstieg im Quergang in der elften Seillänge. Bedenkt man, dass er sich nie an einer Exe hochgezogen hat, kann er mit seiner Leistung zufrieden sein.
Große Zinne Comici ,  schöne Seillänge                               Große Zinne Comici, Ausblick
Auch ich kämpfte mich durch die erste Länge, ich war noch total ungelenk und kletterte die erstel Länge A0. Meine Strategie war, keine Kraft zu verschwenden! In der zweiten Seillänge fing die ganze Geschichte dann an Spass zu machen. Bei uns beiden stellte sich langsam der Kletterflus ein und die Seillänge lies sich auch wirklich schön frei klettern. Der Respekt vor der mächtigen Wand legte sich langsam.

Die nächsten 5 Seillängen in der senkrechten, leicht überhängenen Wand sind super genial. Es wechsen ständig Risse, Verschneidungen, kleine Quergänge und tolle Wandkletterei. Ich hatte schon viel über die Comici gelesen, aber ich empfand den Fels überhaupt nicht abgespeckt. Da bin ich schon viel schlimmere Sachen geklettert. Die Absicherung empfand ich übrigens recht gut.

Große Zinne Comici, Blick zur Demuthkante                                                  Große Zinne Comici, Blick zur Hasse Brandler
In den schweren Seillängen haben wir außer an den Standplätzen  kein zusätzliches Material verwendet. Selbst an den Standplätzen waren meist zwei akzeptable Normalhaken vorhanden. Mit einem weiteren Friend / Klemmkeil lies sich immer ein guter Standplatz bauen. Natürlich war die Qualtät der Haken unterschiedlich, aber bei dem kurzen Hakenabstand unproblematisch.
Große Zinne Comici, Standplatz                        Große Zinne Comici, Blick Dreizinnenhütte
In der 6. Seillänge mussten wir auch einen Zwischenstand einlegen, da wir lediglich 14 Exen dabei hatten und wir in der kompletten Seillänge bestimmt 20 Exen gebraucht hätten. Der Standplatz war zwar nicht optimal aber o.k. Bei einem Blick nach unten konnten wir immer wieder beobachten, wie die beiden Seilschaften nach uns voran kamen. Sie hatten zwar etwas aufgeholt, aber wir hatten immer noch genügend Vorsprung. Nachdem wir die 7er Seillängen geschafft hatten, stellte sich schon ein kleines Glücksgefühl ein. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir die Route schaffen würden, war sehr groß. Nachdem ich die schweren Längen immer im Nachsteig unterwegs war, war es nun meine Aufgabe die nächsten Längen vorzusteigen. Im Gegensatz zu den zurückgelegten Seillängen, bewegten wir uns jetzt nicht mehr in der senkrechten Wand sodern die Route folgte einer Verschneidung nach oben. Ab jetzt waren aber nur noch wenige Haken zu finden, so dass wir den größten Teil der Route mit Friends und Klemmkeilen absichern mussten. Im oberen Teil der Verschneidung wurde die Route ziemlich feucht. Dazu gab es noch Eisstücke, welche in regelmäßigen Abständen von oben auf uns herunterfielen. Zum Glück waren diese nicht allzu groß. Wir fanden die nasse Seillänge beide auch noch recht anspruchsvoll, obwohl sie nur mit dem Schwierigkeitsgrad V+ angegeben ist. Ich machte oben auf einem Felsvorsprung Stand. Hier war es extem nass. Aber ich fand auf dem Absatz eine Position, in der ich nicht komplett durchnässt wurde. Das Problem war immer noch die Kälte. Rings um uns war super schöner Sonnenschein, aber in der Nordwand klettert man ständig im Schatten. Mein Körper zitterte ständig, während ich Augustin nachsicherte.
Große Zinne Comici , nasser Standplatz                                               Große Zinne Comici , Quergang
Laut Topo folgte nach dieser Länge der etwa 5 Meter lange Ausstieg aus der Verschneidung und dann der Quergang von ca. 30 Meter nach links. Nachdem ich die letzten Längen im Vorstieg unterwegs war, wollte es sich Augustin nicht nehmen lassen den Quergang im Vorstieg zu absolvieren. Er musste aber ganz schön beissen um aus der Verschneidung herauszukommen, da die Wand wirklich komplett nass und rutschig war. Am Anfang des Querganges entschied er sich dazu nochmals Stand zu machen, da der Seilzug sehr stark war und zwei passende Normalhaken vorhanden waren. Ich war über die Entscheidung recht froh, da ich somit früher von dem nassen Standplatz weg konnte. Der Quergang ist technisch nicht schwer. Man muss lediglich etwas überlegen, welche Höhe am besten für die Querung ist.
Große Zinne Comici, Quergang                        Große Zinne Comici, Ausblick
Am Ende des Querganges muss man dann etwa 3 Meter absteigen. Hier wird es etwas kniffeliger wenn man keine künstlichen Hilfsmittel verwenden möchte. Ansonsten gibt es eine Trittleiter, die nach unten führt.

Große Zinne Comici, Blick zur Westlichen Zinne                                                 Große Zinne Comici, Ausstiegsseillänge

Nach dem Quergang folgten noch zwei Seillängen, die wir uns wieder aufteilten. Aber für uns war es nur noch richtig schöne Genusskletterei, da der Schwierigkeitsgrad bei IV lag. Die letzte Länge war wieder etwas schwieriger, da Augustin eine Ver-schneidung weiter nach oben aufs Ringband folgte. Später sahen wir, dass die eigentlcihe Route ein paar Meter weiter links hochgeht. Aber unsere Variante war auch nicht schwerer als der obere Fünfte bzw. der untere sechste Schwierigkeitsgrad. Oben auf dem Ringband waren wir überglücklich. Wir hatten die Comici erfolgreich gemeistert.  Aber wir waren auch ganz schön k.o. Bis zum Ringband waren wir 9h und 20 Minuten in der Wand. ...nicht gerade die schnellste Begehung, aber unser Ziel lag auch im Ankommen.

Große Zinne Comici, Ringband       Große Zinne Comici, Kriechstelle Ringband

Auf dem Ringband hatten wir zum ersten Mal Sonne. Hier konnten wir uns etwas aufwärmen. Wir wollten auf jeden Fall noch auf den Gipfel, aber da noch 2 Seilschaften unter uns in der Wand waren, entschieden wir uns dazu, nicht den Originalausstieg zu nehmen. Dieser soll extrem brüchig sein und in meinem Führer wird davor abgeraten hochzuklettern wenn noch Leute unter einem unterwegs sind. Anscheinend ist die Steinschlaggefahr extrem hoch.

Nachdem wir die Kletterschuhe ausgezogen und den Klettergurt abgelegt hatten, querten wir über das Ringband in westliche Richtung aus um dann den Normalweg zum Gipfel zu nehmen. Das Ringband ist wirklich spaßig. Rechts geht es im Prinzip immer senkrecht bis direkt zum Einstieg nach unten. Einige Passagen können nur kriechend bewältigt werden, da der Absatz über dem Ringband zum Teil sehr tief ist. An einer Stelle war ich selbst auf Knien zu groß. Ich musste mich auf den Bauch legen und mich wie eine Robbe nach vorne bewegen. An dieser Stelle gäbe es übrigens auch einen Haken um sich zu sichern.

Nach einer weiteren halben Stunde Aufstieg über den Normalweg standen wir am Gipfel. Wir hatten mit dem Wetter richtig Glück und konnten auch am späten Nachmittag die Aussicht genießen. Oft hängen zu der Tageszeit Wolken am Gipfel.

Große Zinne Comici Gipfel      Große Zinne Comici, Blick auf die Kleine Zinne

Dann folge der Abstieg über den Normalweg. Hier hatten wir keine Motivation mehr die schwereren Stellen zu klettern sondern nutzen hier die eingerichteten Abseilstellen um uns abzuseilen. Zum Schluss folgten wir zwei Kletterern in westliche Richtung. Leider war dies nicht der Normalweg sondern eine Variante und wir seilten uns in die Rinne zwischen Westlicher und Großer Ziiinne ab. Der Normalweg wäre in einer Rinne zwischen Großer und Kleiner Zinne nach unten gegangen und hätte uns direkt vor dem Riffugio Lavaredo ausgespuckt. Aber egal, die 10 Minuten Fussmarsch über den breiten Wanderweg störten uns auch nicht mehr. Wir hatten ja heute die Comici bezwungen!

Große Zinne Comici, Absteig Normalweg